Montag, Mai 21, 2007

Aachen zuhause


Es ist hell in meinem Schlafzimmer. Die Uhr verrät mir irgendwas mit 9 vor dem Doppelpunkt. Viel zu früh für den letzten Spieltag. Als es dann irgendwann 10:20h ist muss ich aber erkennen, dass es sich nicht weiter lohnt zu schlafen. Die Optik ist zwar noch sehr verzerrt, aber ich muss jetzt hoch. Um 13:00h ist Treffen und ich will es einmal in 17 Heimspiele schaffen, vor Tim Ohlsdorf zu sein. Als ich mich dann aber von der horizontalen in die vertikale Sitzposition bewege, sieht es nicht gut aus. Julie und ich haben am Vorabend mächtig getankt. Das solche Abende mit Alkohol und mildem Frühlingswetter immer so eine verdammte Eigendynamik entwickeln müssen! Zwei Flaschen Wein (rose), 6 Dosen Prosecco und 2 Cocktails hatten wir gestern – bin ich eigentlich bescheuert? Heute ist der Tag, an dem Alkohol in rauen Mengen fliessen soll. Heute wird gefeiert! Und meine Vorbereitung war denkbar schlecht gewesen. Zum Glück geht es Julie deutlich schlechter. Das hilft! Ich schleppe mich aufs Sofa und versuche irgendeine halbwegs interessante Doku im Fernsehen zu erhaschen. Fakt ist, dass ich immer wieder einnicke und Gefahr laufe, gar nicht hoch zu kommen. Das wäre Kultverdächtig: macht man 33 Spiele und geht zum letzten nicht hin, weil das Kirschblütenfeuerwerk vom Vorabend ausreichend begossen wurde. Gegen 11:30 (!!!) mache ich mich daran, Nudeln zu kochen. Etwas Schinken und Pepperoni sollen Geschmack bringen. Gegen 12:15h ist das Essen fertig...ich glaube, in der Imbissindustrie würde ich ganze 2 Tage überleben bei dem Tempo! Dennoch schaffe ich es, gegen 12:35h die Wohnung zu verlassen. Julie ist da immer noch im Arsch! Groni ruft an:“ Hast du Malte auch bescheid gesagt? Ich bin gleich da!“ Also rufe ich Malte an, der aber nicht ran geht. Er ruft 2 Minuten später zurück:“ Ich fahre gleich mit dem Auto. Wo seid ihr denn dann?“ „Mit dem Auto?“ Panik macht sich breit. Ich habe heute zum Abschluss einen Tisch bei einem Portugiesen bestellt. Das geile an dem Laden: Der hat Bierzapfhähne am Tisch! Da ist der Vollsuff vorprogrammiert. „Ich werde nur mitgenommen...!“ ein Glück. Malte ist schon mal dabei. Ich komme Ohlsdorf an und sehe einen viel zu gut gekleideten Groninger. Heute ist nämlich auch offizielle HSV Abschlussfeier mit Mannschaft und saufen. Er trägt einen Mantel mit Sakko und Hemd. Da kommt mir spontan die Idee einer Mottofahrt für nächste Saison: Mit dem Sakko nach Dortmund...oder so. Wir kaufen Bier und gehen nach oben. Heute ist Tim unpünktlich. Es ist ihm gelungen, sich auf meine Unpünktlichkeit einzustellen. Gegen kurz nach 13:00h fahren wir also zum Stadion. Das Bier schmeckt schon wieder...sollte ich mir Gedanken machen? Nicht jetzt! Später! Die Reise führt uns über Kelle zur Sternschanze. Hier sind schon einige Aachener am Start. Würde ich noch die weite Reise antreten, wenn ich schon abgestiegen wäre. Ich glaube ja. Ohne grössere Verzögerungen erreichen wir Eidelstedt, wo sich zum Glück langsam das Chaos der Baustelle lichtet. Es ist nicht mehr ganz so eng und so können wir bei Bier das Superwetter geniessen. Heute morgen, als die 9 noch vorm Doppelpunkt war, hatte es noch in Strömen gegossen. Malte ist jetzt auch da. Wir diskutieren über die Wichtigkeit des Spiels. Eigentlich hat es für mich nur noch maximal statistischen Wert. Wer glaubt ernsthaft daran, dass Dortmund und Hannover nicht gewinnen. Mindestens einer wird uns schon in die Suppe spucken. Ich denke mir, wie es wohl wäre, jetzt Stuttgarter zu sein, die mit einem absoluten Speedüberschuss auf die Meisterschaft zu rasen und Schalke und Bremen locker abgehängt haben. Eine Woche Vorfreude, dann das Wochenende durchfeiern, wieder eine Woche Vorfreude und dann ist das Double perfekt. Was muss das für ein Gefühl sein? Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen. Vorfreude auf ein richtiges Finale. Nicht so ein UI Cup oder Ligapokal Mist. Was richtiges gewinnen: Meisterschaft, Pokal, Europapokal – ob ich es nochmal erleben werde? Die Sonne brennt und ich komme mir etwas doof vor mit meiner Regenjacke als wir Richtung Stadion aufbrechen. Wir betreten das Stadion. Es ist der letzte Spieltag, ausverkauftes Haus. Da liegt immer etwas Wehmut in der Luft. Ähnlich wie an Sylvester. Man denkt schon mal zurück und fragt sich, was nach 17:15h kommt. Auch ich frage mich, wie es weiter geht. Heute werde ich noch einige Male gefragt, was ich denn nun nächste Saison mache. So richtig beantworten kann ich die Frage nicht. Ich weiss es auch nicht. Tim, Malte und ich gehen erst zum Bierstand und dann auf unsere Plätze. Der Kran, von dem Loddo immer die Mannschaftsaufstellung verliest, trägt heute ein grosses Banner: 35 Jahre Fanclub Rothosen. Die Mannschaften kommen zum aufwärmen und das Kribbeln beginnt wieder. Die ausgangslage ist klar: Gladbach, Mainz und Aachen sind abgestiegen. Dortmund und Hannover dürfen nicht gewinnen. Wir müssen gewinnen. Dann sind wir im UI Cup! Stuttgart darf nicht, bei gleichzeitigem Sieg von Schalke, verlieren. Stuttgart reicht ein Unentschieden wenn Schalke mit weniger als (ich glaube) 4 Toren Unterschied gewinnt. Bei Sieg Stuttgart sind die Schwaben Meister und der FC Meineid und Wer da? Brähmen gucken in die Röhre. Die Zeit bis zum anpfiff vergeht schnell. Dann ist es 15:30h und die Mannschaften betreten den heiligen Rasen. Wir präsentieren eine echt schöne Choreo: Überwiegend blau, mit schwarz und weiss. In der Mitte ein alter Mann, der ein Buch aufgeklappt hat. Darunter das Spruchband:“ IM BUCH DES WEISEN KÖNNT IHR SEHEN, WIR WERDEN NIEMALS UNTERGEHEN!“ Geiles Ding. Dann gibt es Blumen: Wächter wird mit Applaus bedacht (Warum?), Klingbeil wird auch gehen (Endlich!!). Dann kommt Mehdi. Oh Mann. Einer der Dienstältesten wird den Verein verlassen. Eigentlich ist er nicht schlecht. Aber für das, was er spielt, viel zu teuer! Stevens hatte vor kurzem noch eine nette Formulierung über ihn:“ Mehdi hat in der Rückrunde geholfen, den Abstieg zu verhindern. Leider hat er in der Hinrunde dazu beigetragen, dass es überhaupt so weit gekommen war!“ oder so ähnlich. Stevens hatte recht. Seine Formkurve in den letzten Monaten und Jahren einfach nicht konstant genug. Es bleibt nur zu hoffen, dass wir jemand besseren als ihn finden. Das Spiel beginnt. Die letzte 11 der Saison 2006/2007 sieht wie folgt aus: F. Rost - Benjamin, B. Reinhardt, Mathijsen, Atouba - de Jong – Demel, Jarolim, Sorin - van der Vaart – Olic. Die nächsten 90 Minuten sollten es wirklich in sich haben. Nicht nur hier, sonder in der ganzen Bundesliga. Eine ausführliche Beschreibung würde den Rahmen einfach sprengen, daher hier in chronologischer Reihenfolge die Ereignisse: 11. Minute: 1:0 Schalke, Lincoln. Alles ist gut. 15. Minute: 1:0 HSV. Olic wird super mit der Hacke von van der Vaart bedient. Er zieht ab und nagelt die Pille unter die Latte. Keine Chance für Aachens Hesse. Warum nicht öfter so Olic? 16. Minute: 2:0 Schalke, Altintop. Man kann die Hoffnung der Schalker förmlich spüren. 19. Minute: 0:1 Cottbus in Stuttgart. Radu trifft. Oha!?! Verdaddeln die Schwaben das Ding noch? Schalke ist in diesem Moment Meister! 27. Minute: 2:0 HSV! Wieder Olic! Und da ertönt es wieder in 25B:“There’e only one Ivica Olic...!“ Van der Vaart hatte geflankt, Sorins Schuss geblockt und Abstauber Olic markiert seinen ersten Doppelpack im HSV Trikot. Alles läuft nach Plan! 27. Minute: 1:1 in Stuttgart. Hitzelsberger trifft mit einem schier unmenschlichen Linksschuss mitten ins Schalker Herz. Meister der Herzen Reloaded! Neun 9 Minuten Meisterschaft ist jetzt Stuttgart wieder Champ. Und dann, das erste Mal Extase: 45 Minute: Leverkusen – Dortmund 1:0. Der blinde Kiessling trifft! Das schöne an letzten Spieltagen ist, dass viele ihre alten Radios und Weltempfänger rauskramen und man meistens schon vorher mitbekommt, dass auf einem anderen Platz ein Tor gefallen ist, bevor es überhaupt auf der Anzeigetafel verkündet wird. Wird dann die „BILD“ Grafik auf der Videoleinwand sichtbar, wird das Tor gefeiert und herbeigerufen wie ein Eckball mit anschliessendem Tor für die eigene Mannschaft. Halbzeit. Ich muss pinkeln. Es sieht verdammt gut aus. Die Laune ist überall hervorragend. Die Löwen neben uns sind bestens aufgelegt und redselig wie nie. Da der Typ neben mir kein Bier mag, dass aber gegenüber seinen Jungs nicht zugeben darf, komme ich des Öfteren in den Genuss seines Gerstensaftes. Das ist unser Tag. Na gut, vielleicht auch etwas der des VfB aus Stuttgart. Aber in erster Linie unser! Die zweite Hälfte beginnt. Neun Minuten passiert nichts, dann stellen sich die Weichen nach Europa: 54. Minute: 2:0 für Leverkusen gegen Dortmund. Rolfes! UND: 0:1 in Hannover. Nürnbergs Mintal trifft! WAHNSINN!!!! UND: 3:0 HSV. Sorin macht sein erstes Tor an diesem Nachmittag nach Weltklasse Vorarbeit von van der Vaart! Jetzt fliegen auch wieder die Bierbecher...vornehmlich aus 25B, Reihe 3, Sitz 15...! 60. Minute: Mehdi kommt für den guten Demel. Das MEEEEEHHHHDDDDDIIIIIIII erscheint heute viel lauter und durchdringender als jemals zuvor. 62. Minute: Engelhardt trifft in Hannover zum 0:2 für Nürnberg! Jetzt kann kaum noch was schief gehen, oder? 63. Minute: 2:1 für Stuttgart. Khedira holt die Schale an den Neckar! 79. Minute: Smolarek verkürzt in Leverkusen zum 1:2 für Dortmund. Einer der Löwen neben mir (schon total voll) jubelt was das Zeug hält. Wir gucken uns mit einem leichten Lächeln verwundert an. Bei den Jungs muss man ja immer etwas vorsichtig sein. Ich tippe ihm auf die Schulter und meine, dass doch Leverkusen schon 2:0 geführt hätte. Das 2:1 wäre also gar nicht so gut. „Ist doch egal, lass sie doch 2:2 spielen. Ist doch besser für uns!“ Hm. Diese Meinung hat er zwar exklusiv, aber witzig ist es dennoch. 79. Minute: Wächter kommt für Rost, der mit stehenden Ovationen gefeiert wird. Rost hatte sich unter der Woche stark gemacht, dass wenn es der Spielstand zulässt, er es gerne sehen würde, wenn Wächter nochmal aufläuft. Er hatte sich wohl als fairer Verlierer all die Monate präsentiert und das wollte Rost jetzt würdigen. 87. Minute: Der mittlerweile eingewechselte Sanogo verstolpert den Ball am 5 Meter Eck, kann aber doch noch abziehen, aber der Ball wird geblockt. Den Abpraller drückt Sorin zum 4:0 über die Linie. In der 90. Minute trifft Kucera noch zum 2:1 auf Schalke. 90 + 2: Banovic erzielt für Nürnberg das 0:3! Wir sind im UI Cup. Vor einem Jahr an dieser Stelle hatten wir noch das Finale verloren, jetzt haben wir gewonnen und eine echt schwache Saison doch noch zum guten gewendet. Die zweitbeste Rückrundenmannschaft hat es sich verdient! Sie hat mir ein wunderschönes Geschenk beschert und ich bilde mir ein, dass dies kein Zufall ist. Ich bin doch ein Glückskind oder Goldjunge und es wäre schon sehr schade gewesen, wenn diese Saison ohne Highlight geendet wäre! Danke, HSV! Klar kann man jetzt sagen: Vor ein paar Monaten wolltest du noch alle erschiessen! Ja, das stimmt. Aber ich stimme jetzt in den Tenor ein, dass das Bundesligageschäft nun mal ein schnelllebiges ist und zahle auch gern 5 Euro ins Phrasenschwein dafür. Ich jubel jetzt den Menschen zu, die uns in diese missliche Situation im Winter überhaupt hinein gebracht haben und habe nicht mal ein schlechtes Gewissen! Auf dem Rasen geht inzwischen die Post ab: Die Mannschaft hatte ihre ehrenrunde mit einem Riesentransparten („ WIR FÜR EUCH, IHR FÜR UNS- NUR DER HSV“) beendet. Stefan Wächter gröhlt über die Stadionlautsprecher vor (auch „Scheiss Werder Bremen!“ lässt er nicht aus) und die Nordtribüne antwortet. Das der zweite Stadionsprecher Marek ihm alles ins Ohr vorsagt stört dabei nur wenig. Wenig später tanzt Rost mit einem Bengalo in der Hand vor den Fans. Er versucht ihn später auszutreten, fackelt dabei aber Teile des Rasens ab. Sehr geil! Mehdi wird auf Händen getragen und es rollen ihm ein paar Tränen über das Gesicht. Dann verschwindet die Mannschaft in der Haupttribüne, um dann kurze Zeit später mit Trainer Huub Stevens wieder zu kommen. Das ganze wiederholt sich. Es wirkt auf mich nicht gekünztelt. Irgendwie glaube ich den Spielern, dass sie sich auch freuen. Es ist keine aufgesetzte Atmosphäre, wie ich finde. Dann ist Schluss und wir verlassen das Wohnzimmer. Am Fuss treffen wir nun auf Wilhelm & Anna sowie Steven, der fast noch besser aussieht als Groni aber definitiv besser duftet. Und das will was heissen bei Steven! Es ist kurz vor 18h und ich sehe schon meinen reservierten Tisch davon schwimmen. Wir nehmen das Shuttle nach Stellingen. Dort dann noch eine unschöne Szene: Ein ST.Pauli Fan hatte sich unter das Aachener Auswärtspublikum gemischt um uns zu provozieren! Ja, ich glaube, er wollte nur uns auf den Sack gehen! Steven sagt ihm aber ziemlich schnell und ziemlich deutlich, was er von ihm hält. So ist es richtig! Seit Wochen treffen wir nun immer auf diese braun-weisse Arschlöcher! Ist das Zufall? Leider steigen die auf. Dann bekommen die wieder so viel Aufmerksamkeit in den Medien und die ganzen Kultfans gehen plötzlich wieder hin. Boah, wird das Scheisse! Es kommt gleich unsere Bahn und wir sind gegen 18:20h am S-Bahnhof Landungsbrücken. Julie war schon voraus gefahren und hatte mir bestätigt, dass alles klar gegangen war. Puh! Das wäre mir unendlich peinlich gewesen, wenn ich nun mit 12 Leute auf der Strasse gestanden hätte und mich nicht gebührend hätte für die Unterstützung bedanken können. Simon ist mit seiner besseren Hälfte auch schon dort. Es folgen noch Ken und Lüth (leider mit Auto). Vorher bekomme ich von den Jungs noch das Design zu einem T-shirt (ist leider nicht fertig geworden) sowie Julie und ich jeweils einen Gutschein fürs Meridian Spa. Mich trifft der Schlag! Ich kann mit solchen Situationen immer nur ganz schwer umgehen, weil ich es hasse im Mittelpunkt zu stehen. Aber ich hoffe sie haben gemerkt, dass ich mich unendlich gefreut habe. Eigentlich mehr darüber, dass fast alle gekommen sind, als über die Geschenke, denn die habe ich nun wirklich nicht erwartet. Der Zapfhahn glüht und das Essen schmeckt. Leider müssen bald Steven und Groni zur HSV Abschlussfeier aufbrechen, aber das ist absolut o.k. Die Stunden vergehen, und der Zähler am Zapfhahn rotiert immer weiter. Gegen 23:00h wird er knapp 19 Liter anzeigen und ich bin sehr froh, dass alles so gut geklappt hat. Denke, es hat auch allen Anwesenden gefallen und so machen sich die letzten Verbliebenen Malte & Kim (war zwischenzeitlich eingetroffen), Ken, Tim, Julie und ich uns auf den Heimweg. Wer des Zählens mächtig ist wird feststellen, dass es 6 Personen waren, die nun auf Kims Auto zusteuerten. Und so hatte Tim dann das grosse Los gezogen, sich im Kofferaum nieder zulassen. Ken, Malte und ich gaben indes den Männerchor auf der Rückbank. Gegen 23:30h waren Julie und ich überglücklich zu Hause. Was für ein Tag! Was für eine Saison! Was für ein Jahr! Mehr Schatten als Licht aber dieses Saisonfinale entschädigt für einiges.

Wem Dankesreden zu kitschig oder zu schnulzig sind, der braucht jetzt nicht weiter lesen. Aber es gibt dennoch ein paar Menschen, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. Immerhin war das ein Jahr, welches nicht nur mich auf trab gehalten hat, sondern ich bin ja auch Woche für Woche jedem von euch mit meinem Hobby auf den Wecker gefallen, und deshalb hier noch ein paar Worte des Dankes! Lüth, vielen Dank, dass du trotz deines immer prall gefüllten Terminkalenders doch ein paar mal dabei warst. Das bedeutet mir viel! Ken, du hattest deine ersten beiden Auswärtstouren diese Saison. Vielen Dank für deine Kommentare auf meine Berichte. Das hat echt gut getan! Steven, vielen Dank für die vielen Geschichten und Lieder, die du voller Hingabe auf den Fahrten zum Besten gegeben hast. Hast mir damit den einen oder anderen Lacher entlocken können. Thorsten, Danke für die 3 Heimspiele, die ich neben dir sitzen durfte. Das ist keine Ironie! Prioritäten verschieben sich, und das ist absolut o.k. Würde mich dennoch nächste Saison freuen, auch mal wieder auswärts einen mit dir zu trinken. Lars, eigentlich Köln Fan, aber in dieser Saison zum HSVer geworden. Dank dir wurde der Spass- und Bierfaktor ständig oben gehalten! Du bist echt ein super Typ! Simon, MP wurde in Bremen geboren. Nächste Saison hast du bei uns oben eine Dauerkarte – ich freu mich drauf! Wilhelm, keiner verarscht die Leute so gut wie du, während sie dabei stehen. Bist ein noch schlechterer Pokerspieler als ich, dass bringt dich weit nach vorne in meiner Gunst. Du, der Weltenbummler, siehst die Dinge oft in einem völlig anderen Licht, dass gefällt mir. Nur solltest du zusehen, nach deinem Mongolei Trip, die Fussballschuhe für ein anders Team als das vom Bunker zu schnüren (Scherz)! Mein Timmi. Der ewig rumnörgelnde Timmi. In Bielefeld hätte ich dir fast was aufs Maul gehauen. Aber halt nur fast...! Die Gespräche auf den Fahrten mit dir sind immer sehr schön. Keiner kann so schnell seine Meinung von schwarz auf weiss ändern wie du, wenn man die richtigen Argumente bringt. Das mit dem Blog und dem Google Analytics finde ich Weltklasse! Vielen Dank dafür, dass du einen Grossteil der Saison immer die Berichte online gestellt und die Bilder veröffentlicht hast. Ausserdem hat mich beeindruckt, dass, obwohl du nie genug Geld hattest, doch oft mit unterwegs warst. Bist ein feiner Kerl! Malte, was soll ich sagen? Endlich haben wir unseren Fan Club, der sich diese Saison etabliert hat. Du bist so HSV bescheuert, dass ich, solange du dabei bist, gar nicht aufhören kann, hin zu gehen. Kein Trip ist dir zu weit, keine Kosten zu hoch. So verrückte Typen, die alles mit machen, sind selten. Und dabei immer Etikette! Schön, dass es dich gibt. Groni! Ohne dich gäbe es keine 34er. Wahrscheinlich würde ich, wenn du nicht wärst, jetzt schon Samstags gelangweilt in irgendwelchen Einkaufszentren rumlungern. Du bist nicht nur Fahrten und Karten Organisator, du bist auch der, der beim Stand von 0:3 in 89. Minute noch Hoffnung hat, dass wir einen Punkt holen. Ich kenne wenige Menschen, die so ehrlich sind wie du. Wohl dem, der dich zum Freund hat. Wohl mir... Tja und Du Julie, hast es jetzt geschafft. Die Saison, vor der du so viel Angst hattest. Danke, dass du immer für mich da warst und niemals gejammert hast. Es gab viele Momente in dieser Saison, wo du mich wieder aufgerichtet hast. Das werde ich nie vergessen. Ich liebe dich!

Freu mich auf die Saison 07/08 mit euch allen und auf die Europameisterschaft! Nur der HSV!

Montag, Mai 14, 2007

Nürnberg auswärts

Es ist Freitag Nachmittag 16:15h. Wieder liegt eine Arbeitswoche hinter mir und ich lehne an der Fensterbank unseres neunen Büros. Das letzte Auswärtsspiel liegt an: Nürnberg. Ich schaue aus dem Fenster und sehe grau in grau. Es regnet Bindfäden. So eine Scheisse, wir wollten doch auf dem Campingplatz grillen und so richtig die Sau raus lassen. Naja, die Sau können wir auch im gemieteten Caravan rauslassen. Aber trocken wäre trotzdem besser...zumindest für den Fahrer. Ich blicke hinaus, weil ich den Rest der Reisegruppe sehnsüchtig erwarte. Ich kann es nicht erwarten, von diesem freudlosen Fleckchen Erde weg zu kommen. Nun ist es schon 16:30h. Wo bleiben die denn? Malte hat am Telefon gesagt, dass Sie um 16:00h am Flughafen los gefahren sind. Und er hat mir eine Überraschung versprochen. Da bin ich ja mal gespannt. Haben wir eine Zapfanlage an Bord? Oder fährt Rafael van der Vaart heute bei uns mit anstatt im Mannschaftsbus? Jetzt sehe ich einen grossen VW in die Strasse einbiegen. Ich erkenne Groni, der nach einen Parkplatz sucht. Hm...hatten wir nicht einen Sharan oder Galaxy bestellt? Das hier ist ein Multivan! Eine Nummer zu gross, würde ich sagen. Mein Computer ist schon lange aus und so schnappe ich mir nur meine Jacke und weise Julie an, bitte mit runter zu kommen. Sie muss schliesslich heute allein mit dem Auto nach Hause und ich muss noch den ganzen Schnaps und meine Sachen aus dem Auto holen. Als ich unten auf dem Parkplatz ankomme ist keine Spur mehr von den Jungs. Ich rufe Malte an und der erzählt mir, dass sie aufs Gelände gefahren sind und nun vorm Imbiss stehen. Tolles Sicherheitslager! Der Van hätte jetzt auch mit 200 Kg TNT und einem Selbstmordattentäter von Al-Qaida bestückt sein können und niemanden hätte es interessiert! Groni lenkt das Schlachtschiff nun auf den Parkplatz, ich verabschiede mich von Julie und werde ab jetzt die nächsten 12 Stunden (Hin- und Rückfahrt) nicht mehr aus dem Staunen heraus kommen. Tim, Wilhelm, Steven, Malte, MP und Groni als Fahrer haben es sich schon gemütlich gemacht. Mir wird berichtet, dass unsere gebuchte Kategorie am Flughafen nicht mehr verfügbar war. Und so musste man uns „leider“ eine Grössere zur Verfügung stellen. An Gronis stelle würde ich mich deswegen noch beschweren...! Den, den wir jetzt haben, ist aber auch sehr nett. Das Auto ist Anfang Mai 2007 erst zugelassen worden und hat knapp 60 km auf dem Tacho. Komplett in Silber gehalten wirkt der Multivan sehr sportlich von aussen. Innen sind noch die Schutzfolien auf den Trittblechen und im Innenraum. Die Sitzbezüge sind aus Leder, Navi und Klimaanlage sind auch am Start. Groni und Peiner bilden das Cockpit. Mit dem Rücken in Fahrtrichtung sitzen dann Steven und Malte dahinter. Die Lümmel von der letzten Bank sind dann Tim, Wilhelm und ich. Echt geiles Ding, was wir hier bekommen haben, um mal die Satire raus zu lassen. Wir fahren auf die Autobahn und es regnet immer noch in Strömen. Die Stimmung ist, wie immer, sehr gut. Die ersten Biere gehen auf und wir harren gespannt der Dinge, die da auf uns zukommen. Als Marschverpflegung sind heute viele bekannte Getränke an Bord: Jeweils eine Flasche Pernod, Russian Standard Wodka, Absolut Wodka, Southern Comfort, Sambuca und eine Kiste Bier. Letztere wird bald umfunktioniert zum Pokertisch, in dem wir den Teil, wo sonst die Flaschen drin stehen mit einem Büdel auslegen und somit sogar „Wände“ haben, damit in Kurven nicht immer die Chips vom Tisch rutschen. Weltklasse! Dazu müssen wir uns auf der ersten Autobahnraststätte zwar der Flaschen entledigen, aber wir müssen hier jetzt einfach Prioritäten setzen. Und so nimmt des Schicksal seinen Lauf und der Mythos von Marcel Ich-gewinne-nur-unwichtige-Pokerspiele Druve wird geboren. In den nächsten Stunden spiele ich nämlich ausnahmsweise echt gutes Poker (natürlich auch immer versehen mit einer ordentlichen Portion Glück) und gewinne schliesslich gegen Tim im Finale. Leider war kein Geld im Spiel und so bleibt mir nur die Erkenntnis, dass ich vielleicht doch gar nicht so ein katastrophaler Spieler bin. So viel vorweg: Diese Meinung habe ich heute am Sonntagabend nicht mehr...! Ich glaube, wir kommen ganz gut voran. Immerhin stehen wir nie im Stau. Aber wo wir sind kann ich nicht wirklich einschätzen. Die Atmosphäre ist eher wie in einem kleinen Wohnzimmer als wie in einem Auto. Gegen 21h (glaube ich) erreichen wir Kirchheim. Eine Oase an der BAB 7 mit Burger King, McDo, Tankstellen, Rewe etc. Und hier ist auch unser Campingplatz, den wir dank dem Navi und natürlich dem ausgezeichneten Pilot sowie Co-Pilot ohne Probleme finden. Wir rollen auf den Vorplatz und eine Delegation von uns geht zur Anmeldung. Nach einiger Zeit kommen MP und Groni schwer beladen mit jeder Menge Infomaterial sowie dem Schlüssel zu unserem Caravan wieder. Wir fahren zum Mietobjekt und besichtigen dieses erst einmal eingehend. Ich weiss nicht, was ich erwartet habe, aber ich glaube, das Ding hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen, obwohl es natürlich alt und auch etwas siffig war. Es ist halt ein Wohnwagen mit Vorzelt, 7 Schlafmöglichkeiten und Kühlschrank, ein Tisch zum Pokern und keinen Nachbarn. Was will man mehr für 47 Euro inkl. Strom? Nachdem wir das Auto ausgeladen haben beschliessen wir, Burger King einen Besuch abzustatten. Leider haben wir keine Hinweise auf einen Zappelbunker mit Dorfjugend entdecken können. Tim fragt später die Tussy bei Burger King hinter dem Tresen, wo man denn hier noch was los machen könnte und sie meint, dass wir dann nach Bad Hersfeld fahren müssen. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen und nachdem unseren Fleischbedarf ausreichend gedeckt haben, beschliessen wir, es doch beim Pokerabend zu belassen. Also ab in den Silberpfeil und ran an den Pokertisch in unserem Privatcasino im Caravan in Kirchheim! Einsatz: 2 Euro! Jetzt wird sich zeigen, ob es vorhin nur ein Strohfeuer war, was ich im Auto abgebrannt habe. Der Schnaps steht auf dem Tisch, Steven klemmt seine Miniboxen an sein Handy und es könnte kaum schöner sein. Das ist das wahre Leben! Um halb 3 bin ich 6 Euro ärmer und Groni 12 Euro reicher. Dafür ist mein Promillewert höher als seiner...ist ja auch schon was. Malte, Peiner und Tim gehören ebenfalls zu den Gewinnern, während auch Wilhelm und Steven sich genauso wie ich nicht bereichern konnten. Wir gehen zu Bett, weil morgen ja auch noch ein anstrengender Tag vor uns liegt. Die Szenen kurz vorm einschlafen haben eher was von 5. Klasse Klassenreise: Malte und ich springen im Schlafsack durch den Wagen und fotografieren wild in der Gegend rum. Dabei verabschieden sich die letzten Reserven meiner Fotoakkus und ich kann die Linse der Kamera nicht mehr einfahren. Ist mir aber in dem Moment auch egal, ich schlafe nach 2 Sekunden in der Horizontalen ein.

Samstag morgen. Sonnenstrahlen fluten den Caravan. Ich mache das erste mal um 8:00h die Augen auf und befürchte das Schlimmste. Ich bin etwas überrascht, dass mir nicht schlecht ist. Gab immerhin gestern wieder 3 Sorten Schnaps und Bier. Malte ist auch schon wach und mir fällt die Wasserflasche ein, die ich noch in der Tasche habe. Oh Mann, das tut gut! Einige Zeit später entschliessen Malte und ich uns, nach einem kleinen Chips Frühstück, die sanitären Anlagen zu prüfen. Diese wissen durchaus zu gefallen und ich gehe wieder zurück zum Caravan, wo eben noch der Rest der Bande geschlafen hat. Als ich dort ankomme ist allerdings schon Leben in die Schnapsleichen geflossen und ich gehe mit Steven und Tim und diesmal mit Waschzeug zurück zu den Duschen. Es gibt zwar nur das kleine Hygieneprogramm, aber besser als nichts. Danach packen wir zusammen, checken aus (nennt man das so auf einem Campingplatz???) und steuern McDo zwecks Einnahme eines nahrhaften Frühstücks an. Das letzte Mal, dass ich bei Donald’s gefrühstückt habe liegt wohl schon 10 bis 15 Jahre zurück. Als wir uns über unser Frühstück her machen, bemerke ich wieder dieses Gefühl, welches zu viel Alkohol am Vorabend in einem herbeiruft. Was ist das bloss für ein Phänomen, welches mich morgens ohne Probleme aufstehen lässt und dann von Minute zu Minute die Übelkeit in mir steigen lässt? Boah, ist mir schlecht. Was mir noch auffällt ist, dass relativ viele Familien um diese Zeit bei McDo frühstücken gehen. Ganz ehrlich: Ich hoffe, ich muss niemals mit meiner Familie bei McDo frühstücke gehen. Das ist nicht mein Ding! Nach einem kurzen Besuch von Rewe sind wir wieder auf der Autobahn. Fahrer ist jetzt Malte und Groni hat sich zu uns nach hinten gesellt. Es wird die Bravo (ja, ihr lest richtig) sowie FHM’s 100 Sexiest Woman studiert und dabei über sinn und Unsinn mancher Regeln im Fussball diskutiert. Auch diese Etappe unserer Reise vergeht wie im Fluge. Mir ist zwar spei übel, aber Steven sorgt dafür, dass es mir nach einiger Zeit plötzlich erheblich besser geht. Wie er das macht, möchte ich hier unerwähnt lassen. Wen es interessiert der Wende sich bitte an einen der Mitfahrer! Gegen 13:00h erreichen wir Nürnberg und steuern einen Parkplatz an, der sehr leicht dank des guten Park-Leit-Systems gefunden werden kann. Wir fahren rauf und Malte meint zu dem Parkjogi, dass wir gern Parken wollen. „Nein, bei mir ist es zu teuer. Fahrt man noch weiter. Hier kostet der Platz 10 Euro, da vorne nur 2.!“ Überraschte Gesichter im Multivan aufgrund der Ehrlichkeit des Parkwächters. Sowas haben wir ja nun noch nie erlebt. Und auch, wenn wir 3 Euro auf dem nächsten Platz anstatt 2 bezahlen müssen, sind wir doch positiv überrascht und begeistert. Wir gehen Richtung Stadion und ich versuche mich das erste Mal auf dieser Reise mit dem Spiel zu befassen. Ehrlich gesagt: ich habe heute wenig Lust auf Fussball! Nürnberg wird im letzten Heimspiel sich bei seinen Fans bedanken und wir werden wieder enttäuscht von Sanogo & Co. Dazu kommt noch die Tatsache, dass das Nürnberger EasyCredit Stadion (was für ein bescheuerter Name) heute bei Leibe nicht der Ort ist, auf den ganz Fussballdeutschland blickt. Die Kameras sind heute auf Dortmund (gegen Schalke), Bochum (gegen Stuttgart) und Bremen (gegen Frankfurt) gerichtet. Wir haben weder was mit der Meisterschaft, noch Uefa Cup oder Abstieg zu tun. Wir sind im Niemandsland der Tabelle, was so ziemlich das schlimmste ist, was passieren kann. Sommerfussball in dem es um die goldene Ananas geht. Langeweile vorprogrammiert. Die Stadiontore sind noch verschlossen und so suchen wir einen Biergarten mit netter Atmosphäre, günstigen Preisen und vielleicht sogar noch einem leckeren Mittagessen. Nach kurzer Suche werden wir auf der Rückseite des Stadions fündig. Eine Mischung aus Biergarten und Beachclub. 0,5 L Bier für 2 Euro und 3 Mini Nürnberger Rostbratwürste im Brötchen für EUR 0,99 laden zum verweilen ein. Wir sind hier allerdings nicht willkommen. Das kann ich aus den Blicken der Nürnberg Fans entnehmen, die da schon an den Biertischen sitzen. Und so dauert es nicht lange, dass uns das erste „SAAAKNT PAAAAUUULI“ entgegen geschmettert wird. Witzig! Aber so richtig witzig ist erst der FCN Fan neben uns am Biertresen, der uns anspricht, ob ich wir es auch so toll finden, dass St.Pauli aufsteigt. ER finde das Klasse! Fick dich, denke ich mir nur und würdige ihn keines Blickes. Die Liegestühle in Nähe des Beachvolleyballfeldes sind fast schon zu gemütlich und wir drohen einzuschlafen. Hier kann man es aushalten, wenn auch der Wind etwas böig ist und das eine oder andere Sandkorn ins Bier bläst. Gegen 14:30h machen wir uns dann auf den Weg zum Stadion. Ich glaube, so Richtig Bock hatte jetzt erst recht keiner mehr von uns, weil es hier deutlich interessantere Plätze gibt als im Auswärtsbereich eines Stadions, in dem gleich ein unwichtiges Fussballspiel angepfiffen wird. Vorm Gästebereich treffen wir auf jede Menge HSVer. Eigentlich unglaublich, dass es wieder so viele von uns hier her zieht, obwohl es um nichts mehr geht. Aber ich bin ja auch hier und so kann ich mich auch selber fragen, warum man sich das hier noch antut. Für mich gilt, dass es noch 2 Spiele bis 34 sind. Was den Rest meiner Reisegruppe angeht...fragt sie selber! Denke, dass man sich auch immer ein Stück weit von der Mannschaft verabschieden will. Ausserdem will man ja auch in einer anderen Stadt den Verein gut darstellen, und dass schafft man nur, indem man zahlreich für ein unwichtiges Spiel anreist. Die HSV Fans sind halt reisefreudig, und dass beweisen sie heute wieder. Das elektronische Einlasssystem hakt zwar anfangs etwas, aber schliesslich kommen wir doch rein. Die Leibesvisitation verläuft problemlos. Mir wird zwar die Fahne abgenommen, aber den Trick kenne ich schon aus Stuttgart. Scheint hier Mode in Süddeutschland zu sein, dass die Ordner die Zaunfahnen aufhängen. Wir begeben uns auf unsere Plätze, die mal wieder aller erste Sahne sind. B-Rang, erste Reihe. Grossartig! Was für eine Sicht. Ich glaube, an solche Karten kommt man nur, wenn man Kontakte zum Verein hat. Ein erster Blick nach unten verrät, dass es dort zwar auf dem Papier Sitzplätze sind, aber die schon anwesenden stehen komplett. Genau wie der Alte, der jetzt schon Vollgas gibt. Manche Typen verstehe ich einfach nicht. Die singen und singen und singen (oder sollte ich lieber sagen gröhlen und gröhlen und gröhlen) und es interessiert sie überhaupt nicht, ob andere zuhören oder ob man sie überhaupt hört. So wie der Typ im A-Rang, der aus voller Inbrunst „HHHAAAA EEEEESSSS FFFFAAAUUU“ schreit. Die Körperspannung scheint ihn fast zu zerreissen. Zur Info: Es sind weder die Mannschaften, noch mehr als 5000 Menschen im Stadion, es ist nämlich 14:45h... Bis zum Anpfiff dröhnen wir so vor uns hin und geniessen die Aussicht. Es wird immer voller und kurz vor 15:30h scheint das Stadion wirklich sehr gut gefüllt zu sein. Hätte ich nicht gedacht. Stevens hat zum letzten auswärtsspiel wieder die alte Taktik rausgeholt: Nur ein Stürmer (Olic) dahinter van der Vaart. Guerrero wieder auf der Bank. Hat er nicht verdient, wie ich finde. Aber Steven zieht nun mal sein Ding durch. So wie unter der Woche, als er den Aufsichtsrat angegriffen hatte. Stevens beschwerte sich darüber, dass so viele Namen gehandelt werden, die verkauft werden sollen. „Und dann soll ich diese Jungs am Wochenende motivieren?“ Recht hat er. F. Rost – Benjamin, B. Reinhardt, Mathijsen, Atouba - de Jong - Demel, Jarolim, Sorin - van der Vaart – Olic sollen heute die Fans versöhnen. Ich bin gespannt. Kann mir nicht vorstellen, dass das hier ein toller kick wird. Nürnberg ist mit den Gedanken schon in Berlin und unsere Jungs schon im Urlaub. Habe daher auch 1:1 in der Firma beim Tippspiel getippt. Unverhofft kommt ja bekanntlich oft und so entwickelt sich ein recht ansehnliches Bundesligaspiel mit ein paar Chancen auf beiden Seiten. Der erste richtige höhepunkt spielte sich aber in unserem Block ab. Der HSV hat eine Chance, was uns natürlich von den Sitzen reisst. Da dreht der Typ hinter Steven plötzlich durch. Der ca. 50 jährige Familienvater schreit, wir sollen uns gefälligst hinsetzen und zerrt von hinten an Steven Jacke. Da hat er sich ja den richtigen ausgesucht. Steven schnellt herum und brüllt den Typ, völlig zurecht, an, was ihm denn einfallen würde, ihn anzufassen. Die ruft 2 weitere Männer auf den Plan, die jetzt in die Pöpelei mit einstimmen. Dem Dialekt zu urteilen, kommen die hier aus der Gegend. Sie hätten Sitzplatz bezahlt, und wir sollen gefälligst sitzen bleiben. Die Typen kann ich ja ab. Die Diskusion eskaliert immer weiter, weil die Arschgeigen (obwohl deutlich in der Unterzahl und im Unrecht) nicht die Fresse halten. Ich sehe schon die Ordner neben uns stehen und uns aus dem Stadion fliegen. Denn wer glaubt uns denn, dass da ein Familienvater mit Opa und vielleicht Onkel streit anfängt? Irgendwann kommt ein wirklich unglaubliches Argument von denen: Groni meint, sie sollen sich doch bitte mal umschauen. Sie seien im Gästebereich! Da meint der Typ, dass sie auch Gäste sind, nicht nur wir! Hä??? Da sieht man mal wieder, dass solche Leute gar keine Ahnung haben, von was sie reden. Fussball ist Emotion! Und wenn unserer Stürmer allein aufs Tor zuläuft, reisst mich das nun mal von meinem Sitz! Ich kann solche Menschen nicht verstehen, die sich aufregen, weil die Leute vor ihnen aufstehen. Irgendwann schnalle ich, dass hinter mir der ca. 5 Jahre alte sohn von dem Meckerfritzen sitzt. Wenn er denn wenigstens damit argumentiert hätte, dass der kleine nichts sehen kann, das hätte ich ja noch verstanden. Aber einfach hier das Maul aufreissen...ne, nicht mit uns. Oder vielleicht doch? So eine Geschichte hemmt doch, und in der Folgezeit überlege ich mir genau, ob ich für manche Gesänge oder Torchancen aufstehe und wie lange ich stehen bleibe. Geil, danke! Solche Arschgeigen machen einem nun auch noch das letzte Auswärtsspiel kaputt. Malte und Simon, die ganz rechts sitzen, geht es aber nicht besser. Es ist nur das Gegenteil der Fall: Die Typen hinter und neben ihnen feiern dermassen überschwänglich, dass mehr Bier auf Maltes und Simons Sitz ist als in deren Bechern. Oh Mann, ist auch krass. Das Spiel plätschert so dahin und die Ergebnisse auf den anderen Plätzen stellen nun die Highlights dar. Bis zur 39.Minute! Da wird Raffi 28 Meter vor dem Tor der Nürnberger gefoult. Er macht heute wieder ein sehr gutes Spiel. Heute ist er wieder der, der den Unterschied ausmacht. Er mogelt sich ein paar Meter vor, so dass der Ball schliesslich bei 24 Metern liegt. Rafael hat beim Warmschiesse vor dem Spiel jedes Ding versenkt und ich habe mich gefragt, wann er das mal wieder im Spiel macht. Man wird einfach süchtig nach seinen Toren...München ist erst 2 Wochen her! Schiri Kircher gibt den Ball frei und RvdV läuft an. Ich bin der Meinung, es ist zu weit weg, um den Ball anzuschneiden. Aber die Kunststoffkugel beschreibt einen Bogen, wie ein Curveball beim Baseball und schlägt unhaltbar für Schäfer oben rechts ein. Ein wieder mal unglaubliches Tor vom kleinen Engel! 0:1! Kann der Typ eigentlich auch „normal“ Tore schiessen? Dem Auswärtsbereich ist es egal, dieser steht Kopf! Auch, wenn es um nichts mehr geht. Wir haben uns noch gar nicht richtig wieder hin gesetzt (Ja, ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, wegen dem kleinen jungen hinter mir) da läuft Olic über rechts, spielt aber den Ball steil auf Jarolim, und der, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte, zieht ab, und die Kugel rollt bei Schäfer durch die Beine ins lange Eck! 0:2! Es ist das 12 Tor im 179. Bundesligaspiel für Jarolim. Er jubelt aus Rücksicht auf seinen Ex-Arbeitgeber Nürnberg nicht. Mann o Mann, diese Geste scheint verbreiteter zu sein, als ich gedacht hätte. Kurz danach ist Halbzeit. Ein Doppelschlag hat das spiel schon fast entschieden. Nürnberg war wirklich schon mit dem kopf in Berlin, und wir haben endlich mal richtig guten Fussball gespielt. Warum nur so selten in dieser Saison? In der zweiten Halbzeit passiert nicht mehr viel. Nürnberg will zwar, hat aber kein Rezept gegen die gute Hamburger Abwehr. Und wir haben zwar noch einige vielversprechende Konter, die aber leider nicht genutzt werden können. Demel zieht einmal egoistisch ab, obwohl Olic besser steht, und kurz danach spielt er beim Konter einen ganz schwachen Pass auf Olic. Da reisst Stevens der Geduldsfaden! Er wechselt Demel sofort aus und bringt Mehdi. Danach zoffen die beiden sich noch an der Seitenlinie. Ja, mit Stevens ist nicht zu spassen...der macht keine Gefangenen! Wir spiele das Ding souverän runter und die Fans konzentrieren sich eher auf lautstarke Gesänge, als auf das Spiel. Die Arena Kunden, die Arena über Willy.tel bekommen, kriegen von all dem nichts mit. Groni erzählt mir, dass das Spiel nicht gezeigt wird. Nina sitzt zu hause, und muss sich die Konferenz ohne HSV angucken! Es geht ja um nichts mehr! Was für eine Frechheit! Dann ist irgendwann schluss und die Mannschaft kommt in die Kurve. Anfangs etwas schüchtern (dabei wissen die Jungs doch nichts von den Wasserbomben aus Düsseldorf vor etlichen Jahren), aber schliesslich fliegt ein Trikot nach dem anderen ins Publikum. Ich beobachte einen Typ, der, glaube ich, das Trikot von de Jong fängt und sich danach kaum noch einkriegen kann vor Freude. Cooles Bild! Dann setzt sich die Mannschaft vor den Block und es folgt das übliche Ritual. Vorher wirft JoJo aber rost noch ein „Für immer Volkspark“ T-Shirt zu, dass er sofort anzieht. Geiler Typ! Leider verabschieden sich auch die Nürnberger Spieler von ihren Fans und so geht das Frage/Antwort Spiel von uns etwas unter. Atouba gibt danach eine seiner Tanzeinlagen und wir gehen bald darauf Richtung Ausgang. Bremen hat gegen Frankfurt verloren, Schalke in Dortmund, Stuttgart schlägt Bochum und Wolfsburg erzielt in letzter Minute den Ausgleich in Aachen, d.h. Bremen kann kein Meister mehr werden, Stuttgart ist zwei Punkte vor Schalke und Aachen, Mainz und Gladbach stehen als Absteiger fest. Ausser, dass Wolfsburg die Klasse gehalten hat, ist doch alles ganz gut gelaufen. Nur mir wird jetzt wieder klar, wie bescheuert so ein Platz im Mittelfeld ist. Aber dennoch besser, als wenn wir nächste Woche ein Endspiel gegen Aachen hätten. Wir holen uns unsere Zaunfahne ab und schlendern zurück zum Auto. Das hier ist vielleicht das beste Parksystem in der Bundesliga. Wir kommen, obwohl wir dicht am Stadion parken echt gut weg. Wenn da nur nicht die ganzen Pimmel wären, die uns provozieren wollen. Erst meint so eine 2-Spiele-im-Jahr-guckende Grossfamilie einen St.Pauli Schal aus dem Fenster zu halten, danach wird es Steven zu bunt: Neben uns steht ein Corsa, mit einer fetten Fahrerin, und noch einem fetteren Beifahrer. Der Typ hat ein St.Pippi Polo Shirt an und präsentiert uns den Fetzen mit einem ganz blöden Grinsen. An der nächsten Ampel schiebt Steven das Fenster auf und fordert den Typ auf, das Fenster runter zu kurbeln. „Wo geht es denn hier nach Fürth!“ Da fängt der Fette tatsächlich an, Steven den Weg zu erklären. Als ob ein 50.000 Euro T5 kein Navi hätte! „Bist du wirklich so bescheuert?“ fragt Steven ihn dann, und stellt fest, dass er ihn ebenfalls nur provozieren wollte. Da kurbelt der Fettsack das Fenster wieder hoch und legt sein beleidigtes Leberwurst Gesicht auf. Tja, HSV Fans schlagen nicht immer sofort zu. Diese Erkenntnis kann die Schwabbelbacke mit nach hause nehmen. Später auf der Autobahn überholen wir einen 12 Sitzer, mit 3 Mädels drin. Eine davon trägt ein Schalke Trikot und ist den Tränen wohl ziemlich nahe. Das hält Groni aber nicht davon ab, sie am Fenster zu verhöhnen. Schadenfreude ist die schönste Freude. Ist so, bleibt so! Bei McDo erlauben wir uns noch eine kleine Stärkung. Als wir so anstehen, fragt uns ein Typ, ob wir aus Nürnberg kommen, und ob es 0:2 geblieben ist. Wenn man Fanartikel anhat, passiert sowas ziemlich häufig. Man wird halt gefragt, wie der HSV gespielt hat. An der Reaktion auf die eigene Antwort kann man dann ablesen, ob der Frager ebenfalls HSV Fan ist. Im Grunde denke ich mir aber jedes Mal: Wenn es dich wirklich interessieren würde, wärest du doch im Stadion gewesen oder zumindest am Radio oder Fernseher. Wir sagen dem Typ also, dass es beim 0:2 geblieben ist. Er freut sich, und holt seinen HSV Mitgliedsausweis raus. Geiles Ding. Hier unten ein HSV Mitglied treffen, alle Achtung. Als wir uns später über unsere Burger her machen, ist der Typ schon fertig und wünsch uns eine gute Heimfahrt. Steven ruft ihm noch hinterher: „Nur der HSV!“ Groni hat den Sinn der Reise offensichtlich nicht verstanden: Er bestellt sich einen Salat!!! Bei McDonald’s!! Zum Glück wird er prompt bestraft und hat welke Salatblätter in seinem grünen etwas! Die Beschwerde folgt sofort und zum Glück kommt der Mann zur Besinnung und nimmt statt einem neune Salat einen Chickenburger. Puh, Glück gehabt! Dachte schon, er ist irgendwie verwirrt oder wird alt oder so... Zurück auf der Bahn gönne ich mir noch 2 Pernod Cola bis Hamburg und verliere jetzt auch die unwichtige Pokerspiele. Endlich ist alles wieder so, wie es gehört! Nach knapp 6 Stunden erreichen wir wieder das Panorama, welches uns jedes Mal ganz nachdenklich werden lässt. Lichter aus, Musik etwas lauter. Auf der rechten Seite ist das CTA, kurz danach kommt die Köhlbrandbrücke. Links erst Eurogate, dann das Hafenbecken und gegenüber die Konkurrenz vom Burchardkai. Tausende von Containern stehen hier und die gelben Rundleuchten der Straddle Carrier und Reach Stacker durchschneiden die Dunkelheit und blenden die Augen. Jetzt fährt man in den Elbtunnel. Die Durchfahrt dauert ca. 3 bis 4 Minuten. Das Auto gleitet nur so voran. Danach Ausfahrt Othmarschen, Bahrenfeld und schliesslich Volkspark mit der Müllverbrennungsanlage und dem Stadion im Hintergrund. Wir fahren erst Steven nach Hause, dann Wilhelm, der morgen mit der 7ten von St.Pauli wieder ein wichtiges Aufstiegsspiel hat. Ich rufe ihm zu, dass ich hoffe, dass sie verlieren. Aber eigentlich gönne ich ihm den Aufstieg. Er spielt halt nur im falschen Verein! Gegen 0:45h bin ich wieder zuhause. Ich nehme den Bierkasten, meine Tasche mit dem Sprit, Jacke und Fahne mit hoch. Julie ist noch wach und erwartet mich schon. Da fällt ihr Blick auf das „100 Sexiest Woman“ Heft von FHM. Scheisse, nicht aufgepasst! Nach einem kurzen Frage/Antwort Spiel lächelt sie mich an und alles ist gut. Eine geile Tour geht zu Ende und auch die Saison dauert nur noch 90 Minuten. Dann ist mein Traum Wirklichkeit!


Dienstag, Mai 08, 2007

Bochum zuhause

Es ist 11 Uhr an diesem wieder mal sonnigen Samstag morgen als ich zum Handy greife und Groni anrufe:“ Heute ist Fussball, oder?“ „Ja, stimmt! Hab ich gar nicht auf dem Zettel“ antwortet er. „Lass mal hingehen!“ schlage ich vor! „Gute Idee! Gibt es denn noch Karten?“ „Keine Ahnung!“ Der Rest der Saison (3 Spiele) scheint fast uninteressant zu werden, so dass der Dialog mehr Wahrheit beinhaltet, als so mancher im ersten Moment zugeben will. Wir haben 39 Punkte, Hannover hat gestern gewonnen. Also, nach unten geht so gut wie nichts mehr, nach oben fast noch weniger. Eine Minimalchance auf den UI-Cup bleibt uns noch. Die Erfahrung hat gezeigt, dass wenn wir in den letzten Jahren UI-Cup gespielt haben, zum Saisonstart immer top eingespielt waren und die Saison meistens gut gelaufen ist. Also galt es heute gegen den VfL Gekas den Anfang zu machen, um dann in Nürnberg und zuhause gegen Aachen 9 Punkte zu holen. Wir wollen gegen 14h Eidelstedt sein und so treffen wir uns gegen ca. 13:15h Kellinghusenstrasse. Sternschanze angekommen, steht da, dass unsere S-Bahn sofort fahren soll. Wir gehen noch schnell zum Kiosk und kaufen Bier. Als wir fertig sind, steht auf der Anzeigetafel immer noch, dass die S-Bahn gleich fährt. Mich beschleicht das Gefühl, dass hier irgendwas nicht stimmt. Immerhin sind wir bestimmt schon 7 Minuten auf dem Bahnsteig und die S-Bahn ist immer noch nicht da. Und dann ertönt sie endlich, diese Glocke aus dem Lautsprecher, die einen meistens immer einen Verspätung ankündigen möchte „Auf Grund eines Polizeieinsatzes an der Station Sternschanze ist der S-Bahnverkehr eingestellt. Bitte versuchen Sie ihr Ziel mit der U Bahn über Landungsbrücken und Altona zu erreichen!“ Grossartig! Warum denn immer an Spieltagen diese Pannen? Und vor allem: Wo sind denn die Polizisten? Es ist weit und breit nichts zu sehen. Groni und ich entschliessen uns, trotzdem zu warten. Wie lange kann das denn schon dauern? Die durchsage wird ca. alle 2 Minuten wiederholt und dann plötzlich sehen und hören wir auch die Polizei, von der immerfort gesprochen wird. Mit Blaulicht geht es zum Eingang des Bahnhofes. Normalerweise sind wir ja nicht so die Sensationstouristen aber nun packt uns doch die Neugier, was denn da los ist. Wir gehen zurück Richtung U-Bahn und aus dem Ausgang raus. Hier sind zwar ein paar Polizeiwagen, aber zu sehen ist nicht viel. Dann gehen wir nach rechts, wo mehr Polizei steht. Nun haben wir blick auf die S21, die ca. 400 Meter vor dem Bahnhof steht. Wir hören Gesänge, können sie aber nicht zuordnen. Die Beamten der Bereitschaftspolizei stehen dort relativ gelangweilt und wir befürchten, dass wir nicht dichter an den Zug herankommen. Aber denkste: wir können bis auf wenige Meter uns dem Zug nähern. Es ist aber immer noch nicht der Grund zu erkennen, warum die Fahrt nicht weiter geht. Keine Rauchschwaden, keine Scherben, kein gar nichts! Ein Polizist steht im „Cockpit“ der S-Bahn neben dem Fahrer und fuchtelt jetzt wild mit den Armen. Ich kann jetzt erkennen, was den Mann so in Unruhe versetzt: Aus dem mittleren Teil des Zuges sind einige Personen ausgestiegen und stehen jetzt neben der S-Bahn. In dem Moment fährt der Zug wieder an und die Typen versuchen wieder auf den Zug aufzuspringen. Wir gehen lieber einige Meter vom Zaun weg, der die Schienen vom Gehweg trennt. Nicht, dass das jetzt alles voll Bochum ist und es gleich Flaschen, Feuerzeuge oder gar Teile des S-Bahnabteils auf uns regnet. Als der Zug vorbei fährt sehen wir, dass von den vielleicht 8 Waggons nur 2 wirklich voll sind. Wir beschliessen, wieder zurück zum S-Bahnsteig zu gehen, weil der Zug nun ja dort eingefahren ist und die Reise also gleich weiter gehen wird. Da haben wir aber die Rechnung ohne den Wirt bzw. die Hamburger Polizei gemacht! Zurück auf dem Bahnsteig ist das erste, was ich neben jeder Menge HSV und Bochum Fans sehe, behelmte Polizisten, die den Zug geräumt haben. Wir treffen Manu, der gerade angekommen ist. Es sei wohl einen notbremse kurz vor dem Bahnhof gezogen worden. Dies hätte den Polizeieinsatz ausgelöst. Wir gehen weiter nach vorne, vorbei an jeder Menge Bochum, die böse drein schauen, aber nicht wirklich Gefahr ausstrahlen! Und jetzt wieder mal etwas aus der Kategorie: Jeder blamiert sich so gut er kann. Heute: Die Polizei! Der Zugführer fragt mehrfach über die Lautsprecher, ob der Zug denn nun geräumt ist. Er würde gern abfahren. So richtig kann ihm das aber wohl keiner der Herren in grün beantworten. Dann irgendwann fährt der Zug ab. Leer! Ich habe ja keine Ahnung von Zügen, aber ist eine S-Bahn „schadhaft“ wie es immer so schön heisst, nur weil eine Notbremse gezogen wurden? Kann man die nicht lösen und dann weiter fahren? Offensichtlich nicht. Naja, da diese ganze Aktion jetzt ja bestimmt schon 30 Minuten dauert, wird ja gleich die nächste Bahn bereitstehen. Steht sie auch, aber wir dürfen nicht einsteigen. Zumindest sagt das der Gruppenführer einer Einheit, die in diesem freundlichen schwarzen Uniformen (extra für die WM eingeführt) gerade an uns vorbei geht. Es würde gleich ein Sonderzug kommen, der uns mitnimmt. Tolle Wurst! Der nächste Zug fährt ein, natürlich halb leer und hält an. Wenn sowieso keiner einsteigen darf, warum hält der denn an? Und warum darf überhaupt keiner einsteigen? Der Zug ist doch halb leer. Polizistenlogik. 5 Minuten später, selbes Spiel: Neuer Zug, halb leer, aber wir müssen warten. Naja, der Sonderzug ist wahrscheinlich wirklich leer und ist dann ja auch angenehmer. Dann kommt aber der Sonderzug, und der ist genauso voll wie die beiden eben. Hier dürfen aber nun alle einsteigen...oh Mann! Es ist schon 14:15h und Malte wartet in Eidelstedt auf uns. Da der Sonderzug aber nur bis Stellingen fährt, müssen wir auf noch eine Bahn warten. Unter dem Strich ist nicht zu erkennen, warum hier ca. 50 Polizisten für eine gezogene Notbremse aufmarschiert sind. Aber irgendwie müssen ja die Steuergelder ausgegeben werden. In der S-Bahn finden Groni und ich eine hässliche Sonnenbrille, mit der ich aussehe wie Puck, die Stubenfliege. Wir schliessen eine Wette ab: Groni sagt, Malte wird sich nicht trauen zu sagen, dass ich total scheisse mit der Brille aussehe. Ich behaupte, es ist das erste, was er zu mir sagt! Es geht um ein Bier in Eidelstedt. Nur so viel: ich habe das Bier bekommen... Wilhelm gibt heute Abend noch eine kleine Feier anlässlich seines Geburtstages von letzter Woche. Wir haben noch kein Geschenk und so besorgen wir am 1887-shop.de Wagen noch den Fick dich van Buyten Schal! Ein wirklich tolles Geschenk, wie ich meine! Hintergrund ist einfach die Tatsache, dass uns dieser Schal halt in München angeboten wurde und wir uns nicht vorstellen konnten, dass wirklich jemand sich dieses Ding kauft! Wilhelm wird sich bestimmt drüber freuen. Bis zum Anpfiff passiert nichts wirklich erwähnenswertes mehr. Als wir auf unseren Plätzen sind erkennen wir, dass Stevens heute wohl sein Konzept ändern und zwei Stürmer bringen wird. Guerrero hat es verdient. Dazu Olic, der es eigentlich nicht verdient hat, von Anfang an zu spielen. Aber wir haben ja keine besseren! Der Rest sieht wir folgt aus: Rost, Benjamin, Mathijsen, Demel, Sorin, Mahdavikia, Laas, Jarolim, van der Vaart, Olic und Guerrero. Bei uns fehlen Thorsten, Sören, Lars. Es ist also reichlich Platz. Eigentlich möchte ich über dieses Spiel gar nicht viel sagen! Es war eine Frechheit, was unsere Elf dort den Fans im wieder mal ausverkauften Volkpark bot. Ideenlos, schlampig im Abspiel, harmlos, ohne Mumm (Jarolim alleine bei 16 Metern...schiesst aber nicht sondern vertendelt den Ball). Die Bochumer wollten gar kein Tor machen, wurden aber 3 Mal eingeladen, doch 2x Gekas und Dabrowski konnten den Ball nach Kontern nicht in Rosts Gehäuse unterbringen. Zur Halbzeit pfiffe. Sieht so ein Team aus, was noch vor einer Woche in München so überzeugt hatte? Sieht so ein Team aus, welches noch an seine letzte Chance auf den UI-Cup glaubt? Sieht so ein Team aus, welches sich, nachdem es vor dem Abstieg so gut wie gerettet ist, bei den Fans entschuldigen möchte, in dem es befreit aufspielt? Nein, definitiv nicht! Bei aller Kritik darf man nicht vergessen, dass Bochum sich hinten reinstellt und die Räume eng macht. Aber sind wir wirklich nicht in der Lage, ein solches Team auszuhebeln? Van der Vaart findet nicht statt und der Rest zeigt nichts überraschendes. An solchen Tagen vermisse ich Barbarez doch schon etwas. Vielleicht wäre es auch mit ihm nicht besser gelaufen, aber er hätte etwas versucht! Die 11 da unten schieben sich nur die Kugel hin und her. Beängstigend! Stevens findet wohl die richtigen Worte in der Kabine, denn nach Wiederanpfiff zeigt die Mannschaft etwas mehr Elan! 47 Minute, flanke von Sorin, aber Guerrero schiebt den Ball knapp am Tor vorbei! Demel schnappt sich in der 56 Minute den Ball und lässt 5 Bochumer aussteigen. Wahnsinssolo! Leider verzieht er den Ball aus knapp 16 Metern, so dass dieser knapp übers Tor rauscht. Hätte ein Tor verdient gehabt! 59 Minute dann angriff über rechts, irgendwie kommt der Ball zu Laas und der fast sich aus gut 25 Metern ein Herz! Leider geht auch dieser knapp am Tor vorbei! Irgendwie verstehe ich das immer nicht: Bundesligaspieler müssen doch in der Lage sein, den Ball aufs Tor zu bekommen, denn dann kann er auch nur rein gehen! Wenn er dann gehalten oder abgeblockt wird ist das ja o.k., aber wenn er gar nicht erst auf Tor kommt... In den folgenden 30 Minuten werden wir Zeuge eines Höchstmasses an Effektivität! 61 Minute: Der Ball kommt über rechts. Schröder flankt auf Gekas. Dieser nimmt den Ball am 5 Meter Eck mit dem Oberschenkel an, dreht sich blitzschnell, zieht ab und es steht 0:1! Fünf Minuten später: ein Mann namens Grote kommt über Bochums linke Seite. Er zeiht nach innen und wird dabei einfach mal gar nicht von Benjamin gestört. Also zieht der Typ, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, ab. Mathijsen will noch klären, fälscht aber den Ball unhaltbar für rost ab und es steht 0:2! So richtig erklären kann ich es nicht, aber irgendwie scheint jetzt jeder Ball, der in Richtung Hamburger Tor fliegt, drin zu sein. Die Menschen machen sich in Scharen auf und verlassen das Stadion. 22C holt den Klassiker raus “Alle die jetzt geh’n, alle die jetzt geh’n, woll’n wir niemals wiedersehen!“ Völliger Schwachsinn! Soll doch jeder selber entscheiden, ob der sich das hier noch antun will oder nicht. Es geht doch um nichts mehr! Und wer 60 Euro auf der Westtribüne für eine Karte bezahlt, und dann so enttäuscht wird, hat auch das Recht, sich dem Verkehrschaos zu entziehen. Deswegen sind es nicht mehr und nicht weniger HSVer als die, die meinen, hier jetzt aus 22C ihre Meinung anderen aufzudrücken. Toll ist es nicht, früher zu gehen. Das wollte ich damit nicht sagen. Aber ich kann es verstehen! Die, die jetzt weg sind, verpassen immerhin Benjamins zweites Gastgeschenk: Der Ball segelt in der 80 Minute von rechts nach links, Benjamin will ihn wohl am Strafraumeck rausköpfen, trifft ihn aber nicht, so dass der Ball ihm an die Hand springt: Elfmeter! Es muss eigentlich die klare Absicht erkennbar sein, bevor ein Schiri auf den Punkt zeigt. Aber in diesem Fall geht das in Ordnung: Wer so dämlich ist, und total orientierungslos rumfuchtelnd den Ball mit der Hand spielt, hat es nicht anders verdient! Misimovic hat keine Probleme und es steht 0:3! Wahnsinn! Vorher hatte Olic noch zwei Kopfballmöglichkeiten, die er aber kläglich vergibt. Abpfiff! Danke schön! Wir warten vor dem supporters Stand auf Nina. Da wird auf dem Bildschirm die Tabelle eingeblendet. Aachen hat in Frankfurt 0:4 verloren, d.h. wir haben jetzt 6 Punkte und 20 Tore Vorsprung! Hurra, Klassenerhalt gesichert! Groni ist bedient. Ich glaube, dies ist für ihn die Höchststrafe: Die zwei ausstehenden Spiele sind ohne Bedeutung. Sommerfussball. Aber wir werden trotzdem hingehen. Wir wollen im Fanshop noch ein Trikot für Wilhelm kaufen, aber es gibt keine Grösse M mehr. Dafür platzt der Shop nach einer 0:3 Niederlage gegen Bochum fast aus allen Nähten. Der Mensch ist so leidenfähig... Später treffen wir Julie noch Holstenstrasse und gehen mit Wilhelm auf die Grillparty in einem Park, wo ich noch nie gewesen bin. Hier gibt es Piraten mit Papageien, Männer mit langen Wickelröcken, Frauen, die Tai Chi Übungen machen, ne Menge alternatives Gedankengut und ein paar Jungs aus Gambia, die mit uns Fussball spielen. Die sind echt witzig und tragen im Hochsommer Strickmützen, unter denen sie ihre Rastas verbergen. Auf die Frage von Wilhelm, welcher berühmte Fussballer denn aus Gambia kommt, meinen sie Cisse. „Aber der ist doch Franzose!“ entgegnet Wilhelm. „Nein, nicht der. Ein anderer...!“ wird uns mitgeteilt. Wir trinken Astra und versuchen, das Spiel möglichst schnell zu vergessen. Es wird dunkel und wir verlassen schliesslich das idyllische Lagerfeuer um dann gegen 0:30h wieder zu Hause zu sein. Wir haben jetzt 3 Siege aus 16 Heimspielen. Das ist die schlechteste Saisonbilanz seit wir in Liga 1 spielen. Es muss sich was tun zur neuen Saison. Und auch zum nächsten Spieltag, damit wir wenigstens noch ein bischen Freude in dieser Saison haben!

Sonntag, April 29, 2007

München auswärts


Samstag, 28.April 2007. Es ist 4:20h und mein Wecker klingelt. Wie immer, wenn ich so früh aufstehen muss, erscheint es mir wie ein Hammer, der mit Mach 3 auf meinen Kopf nieder rast. Aber heute vergeht der Schmerz schneller, denn heute ist München! Das Spiel, auf das ich mich schon so lange gefreut habe. Es gab einen regen E-mail Verkehr unter der Woche zwischen den Mitfahrern. Tim und Groni (Diplomarbeit) sowie Steven und Wilhelm (Geburtstag) hatten angedroht, alkoholische Getränke auszugeben. Lars hatte sich ebenfalls angeboten, für Bier zu sorgen. Und bei den Mengen, die dort versprochen wurden, machten sich bei dem einen oder anderen schon Angstgefühle breit, ob wir überhaupt ins Stadion kommen würden. Die Ausgangslage für dieses Spiel war eigentlich die gleiche, wie für jedes spiel in dieser Saison. Eine Niederlage hätte uns wieder ganz unten rein ziehen können. Ein Punkt war Pflicht! Aber wie sollte das bewerkstelligt werden, bei den Leistungen der vergangenen Wochen? Dazu hatte Bayern letzte Woche in Stuttgart verloren und musste nun seine letzte Chance auf den CL Quali-Platz drei wahren. Die Unruhe um van der Vaart (Geht er nun nach München oder nicht?) machte die Sache nicht einfacher. Um 5:00h laufe ich zum S-Bahnhof Ohlsdorf, wo Tim und Malte schon auf mich warten. Wir fahren mit der S1 über Barmbek (hier steigen Steven und Groni) zum Hauptbahnhof. Nach einem Wechsel in die S21 kamen wir wenig später Dammtor an. Hier komplettierten Wilhelm und Lars unsere Gruppe. Lars war mit einer grossen Wernesgrüner Sporttasche voll Bier und einer Tupperschüssel Frikadellen angereist. Der Plan sah so aus, dass wir schon Dammtor in den ICE einsteigen wollten, um uns die besten Plätze zu sichern, bevor der Rest der Supporters ICE Reisegruppe dann am HBF einstieg. Leider waren wir nicht die einzigen, die diese Idee hatten und so mussten wir unseren Traum von 2 Vierertischen in ein 6 Mann Abteil tauschen. Hat aber der guten Stimmung nicht geschadet. Um kurz nach 6:00h gehen die ersten Biere auf und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Es sind heute ein 5 Liter Partyfass Becks, diverse 6er Träger Holsten und Jever, 2 Flaschen Havana Club sowie 0,5 L Kümmerling dabei. Das sollte vorerst reichen. Es dauert nicht lange, da ist auch schon der Pokertisch fertig aufgebaut. Mir graut es vor einer erneuten Niederlage! Ich bin offensichtlich für dieses Spiel nicht gemacht, weil ich kein taktisches Verständnis oder Bluffqualitäten habe. Aber egal, man will ja auch kein Spielverderber sein. Zum Glück bietet sich mir die, wenn auch nicht grosse, Chance, nach ein paar Runden all.in zu gehen. Zwei Buben lassen mich hoffen, dass es reichen könnte. Aber auch heute ist mal wieder kein Kraut gegen Malte gewachsen, der ein schier unglaubliches, nicht endendes Glück bei unseren Spielen zu haben scheint. Ich verliere natürlich und kann mich nun entspannt darauf konzentrieren, die Havana Club Reserven anzugreifen. Malte hatte noch Limetten besorgt, die dem Havana Club seine Schärfe etwas nehmen. Ein sehr leckeres Getränk! Die Zeit vergeht wie im Fluge und meine Vorfreude stellt sich als völlig berechtigt heraus. Malte ist (deutlicher) Chipleader, Steven weiss wieder mit lustigen Geschichten zu gefallen, Lars hält die Frequenz beim Bier trinken kontinuierlich auf einem hohen Niveau. Ich klöne mit Wilhelm etwas, der auch schon beim Poker ausgeschieden ist. Als die Uhr langsam auf 12h Mittags zugeht strahlen die Warnlampen in meinem Kopf hellrot! Der Havan Club hat seine Wirkung nicht verfehlt. Wir kommen pünktlich um kurz vor 12 in München an und müssen nun erstmal ein Schliessfach besorgen. Danach gilt es, die Münchener Innenstadt unsicher zu machen. Wir schlendern Richtung Augustiner Bierhalle und treffen hier schon auf reichlich HSV. Malte hatte erzählt, dass letztes Jahr keiner mit Fanartikeln zutritt zu zur Bierhalle hatte. Davon ist jetzt herzlich wenig zu merken. Die komplette Bierhalle ist restlos mit HSVern gefüllt, die auch ordentlich auf sich aufmerksam machen. Allerdings ist die Chance auf einen Platz relativ gering und ausserdem wollen wir lieber in einem Biergarten die Zeit bis zum Anpfiff totschlagen. So entschliessen wir uns nach einer Pinkelpause die Bierhalle wieder zu verlassen und schon mal in grobe Richtung Stadion mit der U-Bahn zu fahren. Der grosse FC Bayern hält es offensichtlich nicht für nötig, wenn er schon ein Stadion ausserhalb von München baut, ein Agreement mit den Münchener Verkehrsbetrieben zu schliessen. Und so müssen wir uns eigentlich eine Fahrkarte kaufen, aber auf Grund von Alkohol habe ich so eine gewisse leck-mich-am-Arsch Haltung und spare das Geld lieber. Alle anderen (ausser Malte) sehen dies genauso. Wir entschliessen uns, zur Station Münchener Freiheit zu fahren, um dort eine gemütliche Lokalität aufzusuchen. Ich vermute mal, dass wir wohl irgendwie die „Grosse Freiheit“ gesucht haben, ansonsten weiss ich nicht, wie die Wahl so schnell und einstimmig auf diese Station fallen konnte. Als wir die Station Münchener Freiheit erreichen, werden wir zunächst enttäuscht. Kneipen mit Biergärten sind hier Mangelware! Aber nach kurzem suchen und der Befragung einiger Passanten finden wir doch ein zwar sehr ruhiges aber dafür nettes Plätzchen. Der Laden scheint nicht gerade billig zu sein, aber das stört uns nicht. Die Bedienung begrüsst uns und nimmt die Getränkewünsche entgegen. Lars gibt gleich Vollgas und will die Telefonummer von ihr heraus bekommen. Sie lässt sich aber nicht erweichen und auch weitere Fragen von Lars lässt sie mit einem Lächeln an sich abprallen. Schade Lars, netter Versuch. Die Sonne brennt mittlerweile und ein paar von uns ziehen es vor, uns unter einen Schirm zurück zu ziehen. Sonst ist hier gleich Abpfiff! Zum Glück habe ich mich heute morgen gleich für kurze Hosen entschieden, so dass ich nicht wie Malte oder Lars meine Hosenbeine hochkrempeln muss. Ich weiss nicht, wie lange wir hier sitzen, aber es ist auf jeden Fall nur die Länge eines grossen Radlers. Malte begleicht die Rechnung aller. Danke dafür! Es muss um 14h herum sein, als wir wieder zurück zur U-Bahn gehen, um jetzt auch noch den restlichen Weg zum Stadion zurück zu legen. Die Bahn ist nun schon mit deutlich mehr Fussballfans gefüllt, so dass wir stehen müssen. Dabei stehen wir vor zwie richtig arroganten Bayern Fans, die sich wohl für gottähnliche Gestalten halten. Auf jeden Fall meinen Sie, jeden Gesang von anderen HSVer zu kommentieren und zu beantworten. Als ich mich dann anschicke, etwas für Schwule Bayern Fans zu singen, um den Arschgeigen zu vermitteln, dass sie gefälligst die Schnauze halten sollen, wird es das erste mal eng: Einer der Penner macht irgendwie eine komische Geste hinter meinem Rücken. Ich kann es nur im Augenwinkel erkennen, aber Malte sage gleich, dass die mich irgendwie andaddeln wollen. Darauf hin gebe ich dem Typ einen klapps auf seine hässliche Bayern Schirmmütze und meine zu ihm, dass er mich überhaupt gar nicht anzufassen hat. Bevor er überhaupt antworten kann, zieht Malte mich schon zur Seite. Jetzt ist wenigstens Ruhe im Karton. Man darf sich nicht immer alles gefallen lassen. Und solchen arroganten Wichser sind bei mir sowieso an der falschen Adresse. Wenig später erreichen wir Frötmanningen und steigen aus. Das Stadion liegt noch gute 15 Minuten zu Fuss entfernt. Wir geraten in eine Gruppe aus CFHH und Jungs von Poptown, die provozierend, eng zusammengeschlossen, im Verband Richtung Stadion unterwegs sind. Dies ruft gleich mal die Polizei auf den Plan, die von jetzt ab uns zu Fuss und mit einem VW Bus eskortiert. Die Bayernfans sind das allerletzte. Halten sich alle für die Könige der Welt, weil sie „Fans“ vom Rekordmeister sind. Da sieht man mal wieder ein grundlegendes Problem in unserer Gesellschaft: Der FC Bayern ist der Verein mit den meisten Mitgliedern, den meisten Fan Clubs und wohl auch mit den meisten sogenannten Fans. Aber warum? Was ist denn an diesem arroganten Haufen so besonders? Und was ist besser als z.B. bei 1860? Relativ leicht zu erklären: Sie sind am erfolgreichsten. Und leider gibt es sooo viele Menschen, die immer der Mannschaft die treue halten, die gerade oben steht, dass natürlich alle Bayern Fans sein wollen. Widerlich! Ich bin lieber Fan eines Vereins, der zwar nicht in Ansätzen so erfolgreich ist, aber mit dem ich mich identifizieren kann. Ich mache es mir damit nicht leicht, weil ich mir viel öfter Niederlagen meiner Mannschaft angucken muss, als jeder Bayern Fan. Aber immerhin bin ich ein echter Fan und gehe auch hin, wenn es nicht läuft. Wenn die Bayern irgendwann mal nicht mehr die Könige der Liga sind, werden die Leute weg bleiben und zu einem anderen Verein gehen, der dann oben ist. Eigentlich bleibt es dem FC Bayern zu wünschen, denn dann bleiben nur die wirklichen Fans über, die dann mit Leidenschaft ihr Team unterstützen. Allerdings spricht man in München wohl eher von Kunden, als von Fans oder Zuschauern. Fest steht, dass mich diese Bequemlichkeit („Ach, wir gewinnen sowieso!“) tierisch ankotzt und deshalb ist es so geil, dass sich der grosse FC Bayern nächste Saison höchstens im UEFA Cup wieder finden wird. Das Stadion, welches eher an ein UFO erinnert kommt immer näher. Die Allianz, oder besser gesagt, Arroganz-Arena ist kein schönes Stadion. Beckenbauer hat sich bei der Eröffnung hingestellt und gesagt, es wäre das schönste Stadion Europas. So langsam sollte der verwirrte alte Mann über das Aufhören nachdenken, denn seine Wahrnehmung mancher Dinge ist offensichtlich stark beschränkt! Natürlich ist es beeindruckend. Aber schön? 69000 Plätze verteilt auf drei Ränge. Aber dadurch, dass das Stadion von 1860 und Bayern genutzt wird, hat es kein Flair, keine wirkliche Identität. Bei uns steht in weiss „H S V“ auf den blauen Tribünen geschrieben. Hier ist alles neutral grau in grau! Langweilig! Wir passieren die Einlasskontrollen ohne Probleme. Eigentlich überraschend! Wir warten auf Steven, der sich noch Zigaretten kaufen will, als sich ein Gruppe besoffener Bayernfans uns nähert. Eigentlich war so richtig nur einer von denen besoffen, aber der ruft uns im vorbeigehen irgendwas auf Bayrisch zu. Ich frage ihn, ob er ein Problem hat und er, der schon an uns vorbei gelaufen war, macht auf dem Absatz kehrt. Sein Gesicht lässt vermuten, dass er zu allem bereit ist. Groni zeigt drohend mit dem Finger auf ihn und sagt, er solle verschwinden. In dem Moment erkennt der Typ die 5 anderen hinter mir und ist plötzlich lammzahm. Er nölt uns auf Bayrisch zu und ich verstehe kein Wort. Nach zwei Sätzen drehen wir ihn von uns weg und geben ihm einen Schubs in die Richtung seiner Jungs. Die nehmen in gleich auf und sind wohl froh, dass es nicht zum äussersten gekommen ist. Als Steven wieder da ist, wird die Geschichte zum Heldenepos unserer Gruppe aufgebauscht. Steven leitet uns zum Hacker Pschorr Fantreff. Das ist wirklich mal eine nette Einrichtung. Sieht aus, wie ein grosses Bierzelt im Stadion. Biertresen mit Bier- und Stehtischen. Allerdings dominiert auch hier die Farbe grau! Kann man nicht die Wände zu mindest mit den Bayrischen Landesfarben verschönern? Aber warum ablenken? Die Leute sollen hier schnell Bier kaufen und sich wieder verpissen! Die Preise sind übrigens o.k.: 0,5 L Hefe Weizen (aus richtigen Gläsern und nicht aus Plastikbechern) kosten EUR 3,90. Dafür nehmen sie es bei den Zigaretten nicht so genau: 5 Euro kostet hier die Schachtel. Es ist 15:00h uns so langsam müssen wir mal auf unsere Plätze. Wir sitzen im Oberrang, Block 341, Reihe 1. Wer gibt einem Stadion über 300 Blöcke? Wer soll sich da zurecht finden? Aber der Preis (EUR20.00) ist o.k.. Wir betreten das Stadion und wie vorhin schon erwähnt, ist der Blick auf das Rund schon beeindruckend, aber halt grau. In der Stadionshow überschüttet sich der FC Bayern wieder mit Eigenlob. Hoeness hat irgendwelches Geld gespendet. Toll, Glückwunsch! Kann er doch eh von der Steuer absetzten! Wir hängen unser Banner auf und wollen mal gucken, wie lange wir es hängen lassen dürfen. Denn in diesem Stadion ist natürlich auch jeder Fleck mit Werbung zugekleistert. Allianz hat alle (!!!) Werbebanden des B & C-Ranges besetzt. Als nach 10 Minuten (länger, als ich gedacht habe) dann der Ordner uns auffordert, das Banner wieder abzuhängen, meint Groni nur, dass das o.k. ist. Wir wollen ja nicht, dass Allianz hier 1 Quadratmeter seiner Werbefläche einbüssen muss. Da sagt der Typ hinter uns (auch HSV Fan) dass wir uns nicht so anstellen sollen. „Der Mann macht doch nur seinen Job!“ Oh Mann. Auf welcher Seite steht der eigentlich? Wir wollten ihn ja nicht umbringen! Aber wem sollen wir denn sonst unsere Meinung sagen? Leute schickt das Arbeitsamt...! Die Mannschaften sehen heute wie folgt aus: HSV: Rost - Benjamin, Abel, Mathijsen, Atouba - de Jong - Jarolim - Demel, Sorin - van der Vaart, Olic. Bayern: Kahn - Lell, Lucio, Demichelis, Lahm - Ottl - van Bommel - Salihamidzic, Karimi - Makaay, Pizarro. Nanu? Wo ist denn van Buyten? Will Hitzfeld ihn etwa vor den Pfiffen der bösen Hamburger schützen? Oder ist es etwa so, dass der schon seit langem in der Kritik stehende van Bolzen seinen Stammplatz verloren hat? Letzte Woche in Stuttgart war er massgeblich an beiden Treffern der Schwaben beteiligt und glänzte dort mit schwachem Stellungsspiel. Tja, er war ausgezogen, Titel zu gewinnen. Das wird (zumindest im ersten Jahr) schon mal nichts! Die Stimmung in der Arroganz Arena gleicht einem Friedhof. Die Mannschaftsaufstellung der Bayern kann keine Weisswurst vom Teller ziehen! So ist es halt, wenn man nur noch Kunden, und keine Fans mehr hat! Jagte mir die Mannschaftsaufstellung von Gladbach vor zwei Wochen noch einen Gänsehaut über den Rücken, so empfinde ich hier fast schon Mitleid. Das Spiel beginnt. Nicht nur auf den Rängen dominiert Hamburg, sondern auch auf dem Rasen. Ich traue meinen Augen kaum. Wir spielen die ersten Minuten richtig gut! Wir sind immer schneller am Ball als die roten. Aber in Minute 7 trotzdem die erste Chance für Bayern. Benjamin mit dem Fehlpass und Salihamidzic prüft aus 15 Metern Rost, der aber gut mit dem Fuss pariert. Danach Bayern ein Schatten ihrer selbst. Fehlpässe, Ballverluste. Wir gewinnen immer mehr an Sicherheit. Können aber leider auch nicht zu zwingenden Torszenen kommen. In Minute 20 dann ein weiter Ball auf Salihamidzic. Die Situation ist eigentlich schon so gut wie geklärt, da geht Mathijsen runter und foult Brazzo Elfmeterreif. Aber Schiri Kinnhöfer hat einen andere Meinung. Puh! Eine Minute später dann die erste richtig gute Möglichkeit für uns: der heute bessere, aber dennoch schwache Olic passt auf Jarolim, der alleine vor Kahn auftaucht. Er umkurvt den Keeper hat dann das leere Tor vor sich, aber Lell kratzt den Ball von der Linie. Scheisse! Das hätte es sein müssen! In Minute 24 dann ein Zufallsprodukt: Freistoss von van der Vaart, aber der Ball, der eigentlich als Flanke gedacht war, sänkt sich Richtung Tor, Kahn unterschätzt den Ball und dieser rauscht nur Zentimeter am Kasten vorbei. Ganz knappes Ding! 8 Minuten später dann die nächste riesen Möglichkeit. HSV spielt immer besser, Bayern wir immer verunsicherter! Sorin kommt bei 18 Metern an den Ball, nimmt ihn volley, Kahn ist schon geschlagen, aber Demichelis steht auf der Linie und kann klären! So langsam muss das Tor für uns fallen! Aber wie ist das immer mit den ungenutzten Chancen? Es rächt sich, wenn man diese nicht nutzt! Der heute ganz schwache Lahm flankt, Kuddel Muddel im Strafraum, Makaay schiesst, wird aber abgeblockt, danach Salihamidzic, aber auch der Schuss bleibt hängen. Die Bayern reklamieren Handspiel, während der Ball frei am 5 Meter Raum liegt. Pizarro hat leichtes Spiel, ihn über die Linie zu drücken: 1:0! Unverdienter geht es kaum! Im Block neben uns springt ein Typ mit Bayern Trikot und Seppelmütze auf und feiert den Treffer! So eine Frechheit. Wenn der vor mir sitzen würde, könnte er sich seine bescheuerte Mütze vom B-Rang wieder holen! Halbzeit! Mein Mund ist staubtrocken! Aber ich kann mir kein Wasser kaufen, weil die hier auch so ein bescheuertes Checkkartensystem haben. Das unterstütze ich auf keinen Fall. Die Karte muss man mit mindestens 10 Euro auffüllen. Was für einen Frechheit. Ich gehe auf Toilette und spüle mir den Mund mit Wasser aus. Wasser – Das Elixier des Lebens. Bin trotzdem ziemlich platt und weiss gar nicht, wie ich den Ausgleich gleich feiern soll!?! Das der fällt, daran zweifle ich nicht. Wir sind so überlegen, der muss früher oder später fallen! Als ich wieder auf den Platz komme, sehe ich Lars, der mit der blonden neben sich heftigst flirtet. Na, dann mal los! Nach dem Wechsel geht es so weiter, wie in Durchgang eins. Genauso? Nein, nicht ganz. Bayern ist noch schlechter. Hitzfeld hat wohl nicht die richtigen Worte gefunden. Aber ich habe den halt noch nie für einen guten Trainer gehalten. Das, was hier abläuft, hätte Magath auch hinbekommen. In der 63. Minute flankt Jarolim von rechts, Sorin steigt hoch, erwischt den Ball völlig freistehend aber nicht richtig, so dass Kahn parieren kann. Eine Minute später taucht van Bommel vor Rost auf, aber der Hamburger entschärft seinen Schuss. Es bricht die Zeit der Wechsel an: bereits in Minute 56. Mahdavikia für den starken Demel, 69. Guerrero für de Jong. Jetzt bricht unsere Zeit an: 72 Minute: Sorin mit pass auf Raffi. Der steht 20 Meter vor Kahns Tor, nimmt den Ball mit rechts an, dieser springt etwas hoch und Rafael zieht mit links sofort ab. Das Spielgerät beschreibt eine gerade Linie in den rechten oberen Winkel. Kahn völlig machtlos. 1:1! Ein schier unglaubliches Tor lässt die mitgereisten Hamburger ausrasten! Rafael läuft zur Bank, schlägt sich immer wieder mit der Faust auf die Raute und zeigt an, ich bin HSVer und bleibe es auch! Hoffentlich nicht nur eine Geste, ich möchte es ihm so gerne glauben und kämpfe mit den Tränen. Neben mir sind schon alle Dämme gebrochen: Tim, Malte und Wilhelm liegen sich in den Armen, auf der anderen Seite Groni und Lars. Ich schnappe mir den ersten, den ich zu fassen kriege und schliesse meine Augen. Der Jubel ist unbeschreiblich! Als sich die Wogen geglättet haben und nur noch der Hamburger Auswärtsbereich zu hören ist (ist aber auch nicht schwer bei dem, was die Bayern Fans hier abliefern) geht es gleich in die nächste Runde! 76. Minute: Rost hat den Ball auf Höhe der Torauslinie (!!!) und tanzt einen Bayernspieler (ich glaube van Bommel) aus. Mir bleibt fast das Herz stehen. Rost schlägt jetzt den Ball raus, und dieser landet bei Guerrero. Paolo ist auf Grund von einem Stellungsfehler Lucios plötzlich durch und auf den Weg zum Tor von Kahn. Er schüttelt Lucio ab, lässt sich aber dennoch für meinen Geschmack zu weit nach links raustreiben. Als er bei ca. 16 Metern ist, schiesst er den Ball vorbei an Kahn ins rechte obere Eck! 1:2! Jetzt gibt es kein halten mehr. Um mich herum bricht alles zusammen. Da ist es wieder, dieses dumpfe Grollen, welches nur Menschen von sich geben, die sich im Abstiegskampf befinden. Ein Mix aus AAAAHHHH, TOOOR, oder TOOOOAAAARRRRH umgibt mich. Guerrero indes steht vor der Bayernkurve und jubelt nicht. Es ist eine Art Ehrenkodex, dass Spieler, die ein Tor gegen ihren Ex-Verein, dem sie etwas zu verdanken haben, oder für den sie immer noch etwas empfinden, ein Tor machen, nicht jubeln. Und das macht Guerrero auch nicht. Die Bayern haben ihn zum Bundesligaspieler gemacht, was er nicht vergessen hat. So viel Charakter hätte ich ihm nicht zugetraut. Was für ihn gilt, gilt aber noch lange nicht für uns. Ich schaue mich zu Malte, Tim und Wilhelm um und sehe ihre verzerrten Gesichter. Die Raute im Herzen? Auf jeden Fall! Über Groni brauche ich nicht sprechen, er umarmt mich wieder brüderlich und ich bin mir fast sicher, dass hier und heute nichts mehr anbrennt. Weit gefehlt: Van Bommel und Pizarro haben noch gute Möglichkeiten, bevor in der 90. Minute Atouba nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb/Rot runter muss. Leider muss ich sagen, dass diese mehr als gerechtfertigt war, nachdem er in Hälfte eins schon gut hingelangt hatte. Während er vom Platz geht, dirigiert er noch die Abwehr und wird vom Hamburger Anhang gefeiert. Von uns nicht. Wir verzeihen nicht so schnell... 92. Minute. Gronis Mutter ruft an und gratuliert zum Gewinn...die Partie läuft aber noch, so dass Groni sie mit den Wort abwimmelt: „Wir spielen noch“ Zack, aufgelegt. In der gefühlten 160ten Minute schraubt sich Santa Cruz nochmal hoch, aber Rost kratzt den Ball von der Linie und klärt ins aus! Weltklasse! Abpfiff! Was für ein Show Down! 1:2 gewonnen! Einige HSV Spieler brechen auf dem Rasen zusammen. Wir haben hier heute nicht mit Glück, sonder völlig verdient gewonnen. Das Feiern nach dem Abpfiff vor der Kurve wird durch die laute Musik kaputt gemacht. Danke! Wir machen uns rasch wieder auf den Weg zum HBF. 18:53h soll unser Zug schon wieder in Richtung schönste Stadt fahren. Wir verlassen das Stadion und mir fallen die vielen kleinen Kinder auf, die fast jeder eine FC Bayern Megastore Tüte in der Hand haben. Ich denke, dass ist mindestens genauso wichtig für Hoeness wie ein Sieg: Hauptsache jeder hat einen Schal, T-Shirt oder Mütze gekauft. Der Rubel muss rollen. Dann tauchen in den Massen zwei gestalten mit dem Weltpokalsiegerbesieger Shirt auf. Was glauben die denn, wer sie sind? Wollen sich hier mit allen anlegen, oder was? Mit den Bayernfans, weil sie das Shirt von ST.Ps 2:1 gegen die Bayern vor etlichen Jahren anhaben, und mit uns, weil sie ein ST.P Shirt anhaben. So gleich erklingt auch das allseits beliebte:“ SCHEISS ST.PAULI! SCHEISS ST.PAULI!“ Die Typen und ihre hässlichen Frauen drehen sich um und grinsen uns doof an. Malte hat noch ein paar Nettigkeiten für sie übrig, aber dann lassen wir sie in Ruhe. Arme Gestalten! Dank Steven sind wir schnell am Bahnhof und besteigen die erste Bahn Richtung Innenstadt. In der Bahn werden wir getrennt, Wilhelm und ich sitzen am anderen Ende des Waggon, bekommen aber dennoch alles mit, was sich bei den anderen Jungs abspielt. Steven gibt wieder lustige Songs zum besten, die das ganze Abteil lächeln lassen. Dann kommen die Jungs mit einem offensichtlich völlig verwirrten Bayern Fan ins Gespräch, der behauptet, van Bommel hätte Madrid alleine abgeschossen. Was der Typ wirklich meinte war, dass van Buyten in Mailand zwei Tore gemacht hat. Ist schon nicht einfach mit den ganzen van und von! Und Madrid und Mailand sind nun wirklich auch sehr ähnlich. Also bemerkt Groni sehr richtig:“ Boah, zum Glück kommt van der Vaart nicht zu euch. Sonst wärst du ja völlig verwirrt!“ Ich fange an zu lachen. Herrlich! Am Odeonsplatz steigen wir um und sind bald am Hauptbahnhof. Eine wirklich sehr lustige U-Bahn fahrt geht zu Ende. Malte und Steven performen Weltklasse: Sie imitieren einen gebückten Laufstil und singen dabei „So gehn die Münchener, die Münchener gehn so!“ Danach bauen sie sich auf, Brust raus und singen „Und so gehn die Hamburger, die Hamburger gehn so!“ Weltklasse! Am Münchener Hauptbahnhof besorgt sich jeder noch etwas Proviant. Ich habe ein etwas schlechtes Gewissen, weil ich nur an mich denke. Aber ich habe einen solchen Hunger... Groni kauft Bier! Diverse 0,5 L Dosen Becks für teuer Geld. Malte kauft Brezel und Lars trauert immer noch seinen Frikadellen hinterher, die wir auf der Hinfahrt aufgemampft haben. Jungs, es gleicht sich alles im Laufe einer Saison aus. Das nächste mal bezahle ich. Versprochen! Tim hält uns ein Abteil frei, so dass uns bis Hannover nichts mehr passieren kann. Der Alkohol fliesst jetzt in Strömen, die Stimmung im ICE ist grandios. Wann immer Menschen mit Bayern Trikot vorbei laufen, trällern wir das Lied: „IHR SEID NUR EIN PUNKTELIEFERANT!“. Niels Kuhlwein vom 1887 Shop preist uns noch den neuen „Fick dich, van Buyten“ Schal an, aber wir lehnen dankend ab. Steven ist jetzt so richtig in Gesangslaune und trällert einen Hit nach dem Nächsten. Dieser Typ hat, wie wohl alle Engländer, ein äusserst überzeugendes Organ. Weltklasse! Poker wird nicht mehr gespielt. Irgendwie bin ich nicht traurig drum. Als wir in Hannover um kurz vor Mitternacht ankommen, sind sämtliche Bierreserven aufgebraucht. Der Havana Club ist schon lange alle. In Hannover steigen wir unter lautem Gesang um. Wer bei den Bayern gewinnt, darf gerne mal die Fresse aufreissen. Aus dem ICE, in den wir jetzt einsteigen, kommen ein paar 96 Fans, die gerade in Mainz gewonnen haben. Es kommt zu Verbrüderungsszenen. 96 und wir stehen uns halt nahe. Wir entern zwischenzeitlich den Bar Wagen des ICE Richtung Hamburg und singen die nächste Stunde mit den Mega Hamburgern Kiel und anderen HSVern durch. Ein einmaliges Erlebnis! Um 0:00h gibt es ein Ständchen für Wilhelm, der jetzt Geburtstag hat. Dieser lässt sich nicht lumpen und spendiert erneut Bier. Um 1:20h steigen Groni, Steven, Malte dann aus. Wilhelm, Tim und ich Dammtor, Lars fährt noch bis Altona. Tim und ich treten den Rest der Reise mit der U1 nach Hause an, während Wilhelm sich ein Taxi nimmt. Als ich dann Ohlsdorf aussteige und nach Hause wanke, merke ich erst, wie voll ich schon wieder/immer noch bin. Was für ein Tag! Jeder, der diese Tour verpasst hat, hat wirklich etwas verpasst. Ich fand es super. Danke Jungs! Und mit dem Abstieg haben wir jetzt wohl wirklich nichts mehr zu tun. Samstag kommt Bochum und wir können endlich mal entspannt ins Stadion gehen. Oder?

Sonntag, April 22, 2007

Mainz zuhause

Meinen heutigen Bericht möchte ich mit einer Tatsache beginnen, die zwar eigentlich jeder kennt, ich aber dennoch mal beim Namen nennen möchte: Die aktuelle Saison ist unmittelbar mit der Saison 05/06 verbunden. Wahrscheinlich sind sie sogar so stark verbunden, wie noch nie zwei Saisons miteinander verbunden waren. Für mich ist die aktuell sehr unbefriedigende Situation unmittelbar verbunden mit Geschehnissen und Ereignissen, die vor über einem Jahr begonnen haben. In der Winterpause 05/06 stehen wir so gut in der Tabelle, wie schon lange nicht mehr. Wir verpflichten Nigel de Jong und wundern uns, dass noch ein namenhafter Holländer zu uns kommt. Und das ohne grössere Probleme. Ich bin begeistert und sehe eine goldene Zukunft auf uns zukommen. Andere wundern sich schon damals, warum man für einen solch jungen Mann bereits ein solches Gehalt bezahlt. Aber auf Nörgler und Besserwisser gibt in Zeiten des sportlichen Erfolges eh keiner was. Das einzige Problem, welches wir haben, ist die Sturmmisere. Beiersdorfer landet für mich hier einen genialen Coup: Er leiht Ailton bis Saisonende aus. Mit Kaufoption! Na, besser geht es doch gar nicht! Leider ist es eben dieser Ailton, der am Ende der Saison den aktuellen Zustand massgeblich zu verantworten hat, in dem er in Berlin und Bremen nicht das tut, wofür er geholt wurde. Er trifft das Tor nicht. Im CL Quali Endspiel gegen Bremen schiesst er aus 6 Metern frei übers Tor. Das wäre das Tor gewesen, welches zum unentschieden und somit zu direkten CL Qualifikation gelangt hätte. Ailton hat die Bude nicht gemacht, und damit begann der Anfang vom Ende! Neue Stars konnten auf Grund der ungewissen Zukunft nicht geholt werden und Leistungsträger (van Buyten u. Boulahrouz) wollten unbedingt weg. Monate zuvor hatte man bereits (wahrscheinlich hatte man die Situation einfach unterschätzt) Barbarez und Beinlich einfach gehen lassen. So quälte man sich durch die CL Quali. Weil man diese dann doch schaffte, musste Verstärkung geholt werden. Sanogo und Luboja hiessen die Männer, die den lauen Sturm in Hamburg wieder in Schwung bringen sollten. Heute wissen wir, dass sie es definitiv nicht sind! Dazu kam noch Guerrero, der bei den Bayern ausgemustert wurde. Zu Saisonbeginn kam dann, vermutlich durch das Fehlen von Barbarez, akute Ideenlosigkeit in der Offensive, die zu Frust führte! Dieser Frust wurde mit Fouls und Unbeherrschtheiten abgebaut, was zu Roten Karten en masse führte! Ausserdem waren die Neulinge Kompany und Mathijsen nicht so stark wie erhofft. Thomas Doll hat es dann schwer gehabt, weil er auf Grund von einer schier unglaublichen Verletzungsserie und den eben schon angesprochenen roten Karten selten die gleiche Truppe aufs Feld schicken konnte. Die WM 2006 führe ebenfalls dazu, dass die Nationalspieler keine optimale Vorbereitung mit der Mannschaft absolvieren konnte. Lange Rede, kurzer Sinn: Wir hatten keine gute Mannschaft, und die war auch nicht eingespielt. Dazu noch ein gewisses Mass an Arroganz, weil man immer noch glaubte, die Spiele wie letzte Saison automatisch zu gewinnen. Und so rutschte man immer tiefer unten rein. In der CL konnte man sich auch kein Selbstvertrauen holen, weil die aktuelle Mannschaft keinesfalls den Ansprüchen einer CL genügt und so hagelte es dort Niederlage um Niederlage. Aus einem solchen Tief wieder heraus zu kommen, ist nicht einfach. Ereignisse wie der Stinkefinger von Atouba oder die JHV brachten zusätzlich Unruhe in den Verein. Schliesslich hat der Verein, wenn auch vielleicht zu spät, die Notbremse gezogen und Thomas Doll entlassen. Nachfolger Stevens konnte dann mit einer simplen Systemänderung zwar Erfolg bringen, aber schöner Fussball sieht anders aus. Momentan wird darüber diskutiert, ob van der Vaart den Verein am Ende der Saison verlässt. Und damit bin ich am Ende meiner, heute etwas längeren, Einleitung: Wenn van der Vaart zum Saisonende verkauft wird, geht die Geschichte, die im Winter 05/06 begonnen hat, weiter. Man wird wieder einen Leistungsträger abgeben. Man wird wieder das Gesicht der Mannschaft verändern. Ein erneuter Neuanfang? Beiersdorfer sagt zwar, dass jedes Angebot für RvdV im Reisswolf landet, aber es wäre verantwortungslos eine Ablöse von über 20 Mio. nicht näher zu prüfen. Andererseits tut es schon weh, Rafael in den letzten Wochen spielen zu sehen. Oftmals ist er am Ball, hat keine Anspielstation. Landet der Ball dann beim Gegner, gestikuliert er frustriert und lässt den Kopf hängen. Sieht so ein überdurchschnittlich talentierter Spieler aus, der unbedingt in Hamburg bleiben will? Er sagt zwar, dass Barcelona, Valencia oder Madrid sein Traum sind. Aber kann man ihm einen Wechsel verübeln, wenn plötzlich die Bayern um seine Dienste bitten? Dass er nicht ewig bei uns spielen würde, war eh klar. Klar ist aber, sollte er jetzt verkauft werden, weiss ich nicht, wo wir nächstes Jahr landen. Dann ist auch die letzte Klasse aus unserem Kader verschwunden! So wie es zur Zeit aussieht, werden wir vielleicht den Klassenerhalt schaffen, aber UI Cup oder gar Uefa Cup sind ganz weit weg. Seine Uhr tickt auch, und er kann nicht viel Zeit in der Fussballprovinz Hamburg vertrödeln.

Heute ist brillantes Wetter. 20 Grad C, leicht bewölkt. Ich fahre gegen 14:30h nach Langenhorn Nord, weil Groni dort mit dem Auto wartet. Es droht heute leer zu werden bei uns: Lars kommt nicht, Thorsten hat einen Familienausflug und Malte bekommt Familienbesuch. Tim muss Dipl. Arbeit schreiben. So entschliessen Groni und ich uns, um kurz nach 15:00h schon ins Stadion zu gehen, dass Banner endlich mal wieder aufzuhängen und noch ein paar Biere im Pressebereich zu schlürfen. Es ist ein ereignisloser Sonntagnachmittag. Wir klönen im Pressebereich über die Fehlentscheidungen vom Vortag, Gebrauchtwagen und warum Sven Freese kein Fanbeauftragter mehr sein will. Einen kurzen Moment lang denke ich darüber nach, mich zu bewerben, verwerfe dann aber doch wieder den Plan aus Mangel an Erfolg auf meine Bewerbung und die Tatsache, dass Fanbeauftragter halt doch ein Full Time Job ist und ich meinen aktuellen Job kündigen müsste. Ausserdem wäre Julie wohl wenig begeistert über diverse 34er, die noch folgen würden. Gegen 16:45h nehmen wir unsere Plätze ein. Der Gegner heisst heute Mainz 05. Das Stadion ist mit 57000 schon wieder ausverkauft. Ich tippe mal, dass im alten Volkspark ca. 20000 gekommen wären. Stevens baut seine Mannschaft erneut um. Berisha ist nicht mal im Kader. Mehdi spielt für ihn. Laas auf der Bank, dafür Trochowski drin. Atouba überraschend nach seiner Verletzung schon wieder auf der Bank und Olic spielt wieder von Anfang an. Das Spiel beginnt und ich kann schon in den ersten Minuten erkennen, dass auch heute die Mannschaft kein Feuerwerk abbrennen wird. Dafür aber die Mainzer, die einen viel motivierten Eindruck machen. Und so kommt es, wie es kommen muss: 12.Minute: Zidan wird mit einem langen Ball in den Strafraum geschickt, Mathijsen verliert nicht nur das Laufduell sonder gleich dazu noch die Orientierung, weil der Ägypter ihn mit zwei Körpertäuschungen ziemlich alt aussehen lässt. Zidan steht also plötzlich frei am 5-Metereck und drischt den Ball unter die Latte in den, von ihm aus gesehen, rechten Winkel. 0:1! Der Mainzer Anhang, der so gar nichts von seinen Rivalen aus Frankfurt hat, ist entzückt und Zidan packt gleich mal die Provokationskeule aus: Er läuft zu Eckfahne, reisst diese aus dem Boden, lässt sich auf ein Knie fallen und richtet die Eckfahne auf seiner Schulter liegend auf die Nordtribüne. Danach lässt er zwei „Schüsse“ los, wie aus einer Panzerfaust! Sportlich Fair, wie ich meine. Warum es in den DFL Statuten Gelb für Trikot ausziehen gibt weiss ich nicht. Auf jeden Fall sind diese Jubelgesten deutlich unfairer den Zuschauern gegenüber, werden aber von Schiri Fandel gar nicht bestraft. Herzlichen Glückwunsch! Danach muss ich pinkeln. So recht kann ich mir diesen trostlosen Kick eh nicht angucken. Als ich vom Klo wieder komme, sehe ich im Fernseher, dass Olic eine Chance hat, die Wetklo aber vereitelt. Als ich dann wieder oben bin, scheitert gerade Raffi wieder an Wetklo. In Minute 23. dann folgende Szene. Der HSV versucht es wieder mal umständlich über rechts, Jarolim kommt an den Ball und wird von Pekovic. Fandel braucht bestimmt 2 Sekunden, ehe er auf den Punkt zeigt. Für mich ein klarer Elfer. Sorin zeigt sofort an, dass er schiessen will. Van der Vaart lässt ihn gewähren. Ein Kapitän mit Selbstvertrauen, über den letzte Woche nicht so viel geschrieben wird, schiesst den selber! Im Endeffekt ist es egal, wer das ding versenkt. Also, Sorin legt sich den Ball zurecht, ein paar Mainzer diskutieren noch mit dem Linienrichter. Ich stehe nicht auf, aber alle um mich herum stehen vor Anspannung. Irgendwie habe ich im Gefühl, dass er den nicht versenkt. Sorin läuft an, Wetklo ist in der richtigen Ecke, lässt aber den Ball unter sich durchrutschen – 1:1! Schwein gehabt! Groni und ich beschliessen, dass sowas doch Sorin Auftrieb geben muss und dass er jetzt doch „das Spiel seines Lebens machen muss!“ Noch gar nicht ganz zu Ende gedacht, spielt der Südamerikaner einen Fehlpass. Das Spiel wird nicht besser, sondern noch schlechter. HSV ohne Ideen nach vorne, Mainz jetzt mit harmlosen Kontern. Oh Mann, wann ist Halbzeit? Jetzt! Ein Glück! Groni und ich beschliessen, mal Nina in 22C zu besuchen. Eigentlich haben wir keinen Grund, aber ein bisschen Bewegung tut ja jedem gut. Von dort aus beobachte ich das Holsten Halbzeit Event, bei dem ich mich diesmal auch beworben hatte, aber nicht angenommen wurde. 2 Teams a 3 Leute treten gegeneinander an. Wer es schafft, den Ball am dichtesten an den Mittelpunkt ran (aus dem Strafraum) zu schiessen gewinnt 38 Kisten Bier! Als ich mich beworben hatte, waren es noch 45 Kisten... Die zweite Halbzeit beginnt. Mainz stellt sich jetzt komplett hinten rein und macht die Räume eng. Mit dieser Situation können wir ja unheimlich gut umgehen, und so schaffen wir es nicht, auch nur annähernd gefährlich vor der Tor zu kommen. Anders die Mainzer in Minute 59. Ein Konter über Zidan, der den Ball auf Andreasen spielt, dieser wiederum weiter zu Gerber und der versenkt, etwas undurchsichtig für uns, zum 1:2! Dies ist übrigens das zweite Mal, dass man die Mainzer hört. Ein wirklich armseliger Auswärtsblock der jetzt im Glauben des sicheren Auswärtssieges „ST. PAULI! ST.PAULI!“ schreit, komplett bei mir unten durch ist. Hoffentlich steigt dieses Dreckspack ab! Und wie antwortete der HSV? Gar nicht! Ich glaube, ich habe heute das schlechteste Spiel von Rafael gesehen, seit er beim HSV ist. Mehdi und Troche können keinen Druck über aussen entwickeln. Olic ist mal wieder nicht Bundesligatauglich! Es ist einfach nur zum heulen. Wir haben auch in der Folgezeit keinerlei Torchancen. Einziege High Lights sind die Auswechslungen: 67. Guerrero für Trochowski, 71. Atouba für Wicky, 82. Sanogo für Olic. Dann die 83. Minute: Ecke von uns aus gesehen links von Mehdi. Oh Gott, eine Mehdi Ecke, was soll das bloss bringen!?! Aber sie kommt gut, Abel steigt hoch, köpft aber nur an den Pfosten. Der Ball springt zurück und Guerrero drückt ihn über die Linie! 2:2! Wenigstens das! Auch bei diesem Tor will sich kein überdurchschnittlicher Jubel bei mir einstellen. Ich bin einfach zu enttäuscht von der Vorstellung meines Teams! Danach passiert nichts mehr und wir haben 36 Punkte – Punktgleich mit Bochum...tolle Wurst! Wir schnappen uns schnell das Banner und Groni fährt mich nach Hause. In einer absolut rekordverdächtigen Zeit von 35 Minuten post Abpfiff bin ich wieder daheim! Nächste Woche ist München auswärts angesagt. Es ist endlich mal wieder ein Spiel, auf das ich mich so richtig freue! Wir haben nichts zu verlieren, schickes Stadion, was ich noch nicht gesehen habe, die Hoffnung, dass wir gegen eine krisengeschüttelte Spitzenmannschaft mal wieder guten Fussball spielen, und last but not least eine nette Reisegruppe! Noch vier Spiele und wir brauchen noch 4 Punkte! Fortsetzung folgt!

Montag, April 16, 2007

Mönchengladbach auswärts


Das dass Leben nicht immer so ist, wie in der Zeitung steht, und schon gar nicht so, wie uns die Macher von Filmen wie Pretty Woman oder E-mail für dich, ist ja bekannt. Denn, wenn es so wäre, wäre die Spielansetzung für Gladbach nicht so beschissen gewesen, wie sie war. Dann wäre das spiel nämlich am Sonntag gewesen und Julie und ich wären schön über Gladbach nach Hause gefahren. Stattdessen passierte der Spielansetzungssupergau: Freitag der 13.04.! Nicht nur für Abergläubige ein Datum mit Beigeschmack. Auch für mich, der sich aus dem fernen Rützengrün ins 560 km entfernte Mönchengladbach am Geburtstag seiner Freundin aufmachen musste. Ich glaube, Julie hatte den ganzen Vormittag drauf gehofft, dass ich sie noch überraschen würde mit dem Satz: „Schatz, ich fahre nicht zum Fussball sondern bleibe bei dir!“ Diesen Wunsch erfüllte ich ihr allerdings nicht, sondern setzte mich gegen 13:00h ins Auto. Es ist nicht so, dass sie sauer war. Nein, mit Sicherheit nicht. Sie war viel mehr besorgt, dass mir etwas passieren könnte. Immerhin war die Rückfahrt für direkt nach dem Spiel geplant. „Non Stop“ so zu sagen! Für mich als Planungsfetischisten kam noch hinzu, dass ich mich bei dieser Tour voll und ganz auf meinen schlechten Orientierungssinn sowie das Navi meines Daddys verlassen musste. Das Gelingen dieser Tour legte ich also in die Hände bzw. ins GPS eines Gerätes, über das ich in der Vergangenheit nur allzu gerne bei jeder Gelegenheit ablästerte, wenn es mal wieder nicht den richtigen Weg wies. Über die Fahrt lässt sich nur wenig berichten. Was sollte ich auch erzählen? Unterhalten konnte ich mich mit niemandem und angespannt war ich ausserdem, ob das Navi mir auch immer den Richtigen weg zeigen würde. Und so ging die Fahrt erstmal nach Zwickau auf die A4. Vorbei am Westsachsenstadion, die Spielstätte des FSV. Auf der A4 dann der erste richtig lange Abschnitt. 230 km bis zu A5. Es war sehr warm an diesem Tag und so verging die Zeit nicht mit der gewünschten Schnelligkeit. Irgendwo 30 km vor der A5 sehe ich plötzlich den fetten Bären vom Heide Park Soltau. Schon erstaunlich, dass die hier so weit im Süden Werbung machen. Auf der A5 bin ich dann im Westen. Woher ich das weiss? Die Autobahnen sind nur noch zweispurig, wesentlich schlechter und es fahren mehr Idioten auf der Strasse wie der Typ in seiner S-Klasse aus WL. Da kommt der Arsch bei 170 km/h von hinten angerauscht und ich noch gar nicht ganz im Windschatten, da gibt er mir schon die Lichthupe. Als er mich dann überholt zeige ich ihm mit einer unanständigen Geste, was ich von ihm halte. Aber das scheint diesen Karl Lagerfeld Verschnitt wenig zu interessieren. Er gibt sofort dem nächsten vor uns die Lichthupe. Die nächsten ca. 30 km fahre ich hinter ihm her, weil es jetzt sehr voll ist auf der Bahn. Später kommt mir der Mannschaftsbus von Schalke entgegen, die morgen in Mainz spielen. Am Kreuz Olpe ist es dann endlich so weit. Nachdem ich bei einer kurzen Pause das Navi noch bei Groni und Julie am Telefon in höchsten Tönen gelobt hatte, schickt es mich an diesem Kreuz glatt auf die falsche Autobahn. Zu Entschuldigung sei aber erwähnt, dass das Autobahnkreuz umgebaut wurde, so dass das Navi es nicht besser wissen konnte. Die Software ist halt nicht die neueste. Apropos Groni: Der war mit MP, Nina und Malte ebenfalls auf den Weg Richtung Westen. In regelmässigen Abständen kontaktierten wir uns und gaben uns gegenseitig die Positionen durch. So langsam nähere ich mich meinem Ziel, muss aber vorher noch an Köln vorbei. Hier dann die zweite Fehlleitung der Technik. Aber auch hier kann der Fehler zum Glück relativ schnell korrigiert werden. Jetzt nach 5 ½ Stunden endlich bin ich auf der A61, die mich direkt zu Abfahrt MG-Nordpark führt. Das Groni-Mobil muss auch bald eintreffen und so fahre ich den erst besten Parkplatz an, den ich finden kann. Als ich eingeparkt habe, werde ich von einem Borussia Fan angesprochen, wie weit es denn nach HH wäre. Ich sage ihm, dass ich 500 km schätze, aber es nicht genau weiss, weil ich heute aus Dresden komme. (Wenn ich Rützengrün sage, kennt der das eh nicht). Das versteht er nicht, warum ich mit Hamburger Nummer aus Dresden komme, versichert mir aber auf Nachfragen von mir, dass man von diesem Parkplatz sehr gut wieder runter kommt. Ich bin gespannt... Letztes Mal haben wir 60 Minuten gewartet, bis sich überhaupt etwas bewegt hat. Groni, Malte, MP und Nina sind auch angekommen und so machen wir uns auf den Weg zum Stadion. Das Wetter ist immer noch Weltklasse! Nach einer kurzen Stärkung mit Bier und Wurst machen wir uns auf den Weg zum Stadion. Ich bespreche die Ausgangslage mit Malte, die allerdings relativ eindeutig ist. Gladbach muss gewinnen um überhaupt noch eine Chance auf den Klassenerhalt zu haben und wir müssen gewinnen, um nicht wieder ganz unten rein zu rutschen. Unentschieden nützt beiden nichts. Ich rege an, dass Stevens ja endlich mal das System ändern könne. Mit Angsthasenfussball hält man die Klasse mit Sicherheit nicht! Wir müssen einmal ums Stadion laufen, um zum Gästeblock zu kommen. Dabei führt uns unser Weg über eine Raute, in die diverse Tafeln mit Namen auf Plaketten eingelassen sind. Leider weiss ich nicht genau, ob es sich um Mitglieder, Gründer des Borussia Parks oder was auch immer handelt. Wer es weiss, bitte Info an mich. Auf jeden Fall geht man nun über die Plaketten hinweg, die auf Hochglanz poliert sind. Das macht mehr her, als die Museumsgründertafeln bei uns im Stadion. Wo sind die jetzt eigentlich nach dem Museumsumbau??? Wir kommen zum Auswärtsbereich, der auch heute wieder gut gefüllt sein wird. Ein Sonderzug hatte hunderte HSV in den Westen gebracht. Wir passieren das elektronische Einlasssystem problemlos. Aber da warten sie schon wieder. Wie die Geier! Ordner im Auswärtsbereich gehört zu dem Menschenschlag, den ich nach Bundesligaschiedsrichtern, Zahnärzten und Zöllnern am wenigsten leiden kann! Doch was ist das? Ein Lächeln? Ein „Guten Abend“? Bin ich im falschen Film? Der Typ tastet mich ab, und errät, dass ich eine Kamera in der Tasche habe. Auf der anderen Seite habe ich eine Packung Kaugummis, was er zwar fühlt, aber nicht errät. Ich sage ihm, was das ist, und er wünscht mir ein schönes Spiel! Unglaublich! Es geht also auch anders. Auf einem kurzen Besuch der örtlichen Bedürfnisanstalten betreten wir den Auswärtsbereich des Stadions. Der Borussia Park ist eigentlich ein recht schönes Stadion. Einzig der Standort lässt zu wünschen übrig. Der Borussia Park ist auf die freie Wiese ausserhalb von Mönchengladbach gebaut worden und ist somit relativ weit ab vom Schuss. Keine Kneipenlandschaft, kein Flair. Fast wie bei uns, nur schlimmer! Die Nordkurve ist imposant anzusehen. Viele Fahnen geben ein echt gutes Bild ab. Die Mannschaften betreten zum Warmmachen das Feld, und es wird zum ersten Mal laut. Wir versuchen die Anfangsformation aus der Wahl der Aufwärmkleidung abzuleiten. Aber irgendwie kann das nicht stimmen: Berisha, Wicky, Sorin machen sich intensiv warm. Sorin hatte ich ja schon komplett gestrichen, und plötzlich ist er in der Startelf? Genau wie Berisha? Dafür Mehdi raus. Und Guerrero wieder mal, nach langer Zeit, auf der Bank. Na, das wird ja was. Es sind noch 30 Minuten bis zum Anpfiff. Diese warten macht einen echt fertig! Kurz vor 20:30h heizt der Stadionsprecher den Borussen mächtig ein. Die Mannschaftsaufstellung wird vom Triumphmarsch eingeleitet. Jetzt sind alle Fahnen in der Nordkurve in Bewegung und Malte stellt völlig zu recht die Frage: „Sieht das bei uns genauso geil aus?“ Ich glaube nicht...leider! Danach kommt die Borussiahymne: Die Elf vom Niederrhein! Und das hat jetzt schon richtig Gänsehautfeeling. Allerdings bin ich der Meinung, dass sie die Musik leiser machen sollten, damit man auch die Leute hört. Die Mannschaften betreten den Rasen, es hallt durch das Rund: „JA UND WIR SCHWÖRN, STEIN UND BEIN, AUF DIE ELF VOM NIEDERREIHN... BORUSSIA UNSER DREAMTEAM! DENN DU BIST UNSER VEREIN!“ Wir haben dem nichts entgegen zu setzten und halten einfach unsere Klappe! Steven fängt wirklich mit einer deutlich anderen Elf als gegen Stuttgart an: F. Rost, Benjamin, B. Reinhardt, Mathijsen, Sorin, Jarolim, Wicky, Laas, Berisha, van der Vaart, Olic. Vor uns lag nun ein schreckliches Fussballspiel. Nach dem Motto: HSV wollte nicht, Gladbach konnte nicht! Erste halbwegs gefährliche Szene für Gladbach in Minute 11. Jansen setzt sich (übrigens nicht das letzte Mal) gegen Benjamin durch, flankt, aber ein Hamburger kann den Ball zur Ecke klären. Jansen gefällt mir echt gut. Schnell, Ballsicher. Er hat nur das Problem, dass seinen Flanken keinen Abnehmer finden. Rafale ist an Harmlosigkeit nur von Olic zu überbieten. Dieser versucht es seinerseits mit einem Seitfallzieher von der Strafraumgrenze, aber der Ball kullert ungefährlich ins Aus. In Minute 23. dann so was wie Fussball: Van der Vaart wird von links angespielt, und leitet den Ball direkt mit der Hacke zu Sorin weiter, der an der 16 Meter Marke sichtlich überrascht keinen präzisen Schuss abgeben kann. Oh Mann, warum verstehen diese Pappnasen Raffis Ideen einfach nicht! Manchmal glaube ich, er spiel zu schnell für den Rest der Mannschaft! Es sollte aber die letzte Gelegenheit für uns in Halbzeit eins bleiben. Danach kommt nur noch Gladbach: Gleich 5 gute Möglichkeiten in Minute 29, 31, 41, 44 und 45 lassen uns das Blut gefrieren. Schon sehr bitter, wie Insua „nur“ die Latte trifft und Kluge dann den Abpraller aus 8 Metern auf den B-Rang des Borussia Parks drischt! Zum Glück für uns. Gladbach hat diese Saison erst 22 Tore erzielt. Hier sehen wir, warum. Halbzeit! Groni bringt es auf den Punkt: Das war unsere schlechte Halbzeit, jetzt kommt unsere gute! Schlecht ist allerdings noch ein nettes Wort für das, was Olic, Berisha und Laas dort spielen. Olic, der den Ball so an nimmt, wie andere ihn schiessen, strahlt keinerlei Torgefahr aus. Seine Laufwege sind nicht nachvollziehbar und man hat den Eindruck, er versteckt sich immer hinter seinem Gegenspieler. Berisha und Laas produzieren nur Fehlpässe, die Gladbach immer wieder Kontermöglichkeiten ergeben. Und wir reden hier nicht über 30 Meter Pässe...es sind manchmal 5 Meter, die unüberwindbar scheinen. Dazu noch ein Reinhardt, der heute sehr unsicher wirkt. Es kann nur besser werden in Halbzeit zwei. Und tatsächlich...es wird besser. Nicht die einzelnen Spieler. Die machen da weiter, wo sie aufgehört haben. Aber jetzt ist Kampf und Siegeswillen spürbar. Sie versuchen immerhin, das Tor zu erzielen, auch, wenn die aussichtsreichen Konter immer wieder verschenkt werden. In Minute 47 muss Reinhardt verletzt raus und Abel kommt. In Minute 66 kommt Neuville für Insua, und ich denke mit Grausen an das Hinspiel, als der deutscheste aller deutschen Nationalspieler uns noch kurz vor Schluss den Ausgleich einschenkt und damit für Gladbach’s ersten Auswärtspunkt sorgt. Längst ist für mich ein Wechsel Mahdaviakia für Berisha und Guerrero für Olic überfällig. Aber Stevens wechselt nicht. Später wird er erklären, dass er auf Olic bei den Standards nicht verzichten wollte. Klingt ja so, als wenn Olic einen Freistoss und eine Ecke nach der nächsten ins Tor köpft! Er muss aber was machen, sonst spielen wir hier gegen diese schwachen Borussen, die jetzt keine einzige Torchance mehr haben noch 0:0! In der 82. Minute dann der Wechsel: Mehdi macht sich bereit, und Olic will schon Richtung Mittellinie traben. Er weiss, dass das hier heute mal wieder nichts war. Aber Stevens lässt ihn drauf und nimmt Berisha runter. Viel zu spät! Dann die 90. Minute: Guerrero kommt für Olic, und wir fragen uns, was der junge jetzt noch bringen soll. Seine erste Aktion ist ein gewonnenes Kopfballduell im Mittelfeld. Groni bemerkt hierzu nur sarkastisch, dass das schon mehr war, als Olic in 90 Minuten hin bekommen hatte. Dann die minute, die alles in ein anderes Licht rücken sollte. Sorin fängt einen Angriff ab uns spielt auf Guerrero. Der läuft auf zwei Gladbacher Abwehrspieler zu und hat nur zwei Möglichkeiten. Entweder er passt nach (in Laufrichtung) links zu van der Vaart oder rechts zu Mahdavikia. Er entscheidet sich für Mehdi. Dieser nimmt kurz den Ball an, ist jetzt schon im Strafraum. Später in der Wiederholung sehe ich, dass Mehdi gar nicht hoch schaut, als er den Ball flach wieder in die Mitte spielt. Guerrero hat in diesem Moment das richtig gemacht, was Olic zuvor 90 minuten flasch gemacht hatte. Er hatte sich vor seinen Gegenspieler geschoben und stand nun einschussbereit am 5 Meterraum. Der Ball kommt also rein, Guerrero hält den Fuss hin und Keller im Borussia Tor ist geschlagen. 0:1! Ich gestehe, ich habe das Tor als solches gar nicht gesehen. Ich habe nur gesehen, dass die das Netz bewegt und da lag schon irgendjemand auf mir drauf. Ein Jubelorkan der mitgereisten, vorher sehr leisen HSVer durchschneidet die Stille im Borussia Park. Kennt ihr die Szenen aus „Der Soldat James Ryan“ als Tom Hanks die Geschehnisse um sich herum nur in Zeitlupe ohne Ton wahr nimmt? So geht es mir jetzt auch, weil Malte mir in einem Anflug von Begeisterung genau ins Ohr gebrüllt hat. Ich nehme nur noch ein leises Pfeifen wahr und sehe die Menschen um mich herum lachen und kreischen. Verzerrte Gesichter, die das pure Glück ausdrücken. Ich umarme alles, was ich in die Finger bekomme, um es sofort wieder los zu lassen. Dann drehe ich mich um, sehe Nina wie sie auf der Stelle vor entzücken auf und ab hüpft. Auch ihr Gesicht ist verzerrt. Dann greife ich mir den Typ, der schon das ganze Spiel neben mir stand und umarme ihn! Als sich der erste Sturm der Begeisterung gelegt hat, und die obligatorischen „AUSWÄRTS SIEG! AUSWÄRTS SIEG“! Rufe erklingen, stehe auch ich wieder aufrecht da. Groni umarmt mich jetzt noch mal von hinten und wir wissen: Das wars. Hier passiert nichts mehr. Wenig später ist Schluss und die eben noch fluchende Anhängerschaft des HSV liegt sich Siegestrunken in den Armen. Die Zäune werden gestürmt und ich sehe viele Typen Oberkörperfrei! Ja, der Sieg ist unser. Aber hätten wie heute einen ernstzunehmenden Gegner gehabt, hätten wir das ding wohl nicht gewonnen. Nach den allseits bekannten Jubelszenen machen wir uns auf den Weg zum Ausgang. Im Gedränge stosse ich mit einem übel aussehenden Typen zusammen. Hätten wir nicht gewonnen, hätte er mir wahrscheinlich eins auf die Fresse gehauen. So klopft er mir aber auf die Schulter und lächelt mich an. Am Ende der Treppe treffen sich viele Leute und umarmen sich wieder und wieder. Ich stelle fest, dass es solche Szenen nur nach einem späten 0:1, 1:2, etc. geben kann. Wie war es wohl damals in Kopenhagen? Wir verlassen das Stadion. Uns kommen jetzt jede Menge übelst gelaunte Gladbacher entgegen. Klar, die sind jetzt so gut wie abgestiegen. Ich gehe jeder Rempelei aus dem Weg, weil das hier jetzt wie das sprichwörtliche Fass mit Banzin ist. Ein Streichholz genügt, und die Stimmung könnte eskalieren. Daher verstehe ich auch die HSVer nicht, die mit hochgereckten Schals hämische in Richtung der Gladbacher den Sieg feiern. Das kann ins Auge gehen. Noch schnell ein paar Erinnerungsfotos gemacht, weil so schnell sehen wir dieses Stadion wohl nicht wieder. Wir schlendern zufrieden und umgeben von rosa Wölkchen Richtung unserer Fahrzeuge und reden dabei unseren Sieg verdient. Was ein Tor doch bewirken kann. Gronis Golf erreichen wir zu erst und so verabschieden wir uns. Simon will noch zu seiner Freundin nach Köln. Da ich an Köln vorbei fahre, nehme ich ihn mit. Der Parkplatz leert sich ähnlich schlecht wie letztes Jahr und so bleibt mir noch Zeit, die 40 Liter billig Benzin aus Tschechien in mein Auto zu füllen. Leider nur mit mittelmässigem Erfolg: Der erste Kanister geht ja noch vergleichsweise gut rein, aber bei zweiten geht gar nichts mehr. Der Kraftstoff läuft immer wieder irgendwo raus, und ich kann leider nicht erkenne, wo, weil es auch sehr dunkel ist auf dem Parkplatz. Nachdem ich ca. 1 Liter Kraftstoff so am Tank vorbei giesse, entschliesse ich mich, das Experiment abzubrechen, damit hier nicht noch jemand die Bullen ruft und ich das verseuchte Erdreich abtragen darf. Scheisse! Die 20 Liter hätten mir noch gut getan. Am nächsten Tag erfahre ich, dass es nicht meine Schuld war. Der „Rüssel“ für den Kanister passte nur auf den ersten, nicht aber auf den zweiten, so dass es unmöglich war, überhaupt das Benzin einfüllen zu können. Julies Daddy hatte vergessen mir das zu sagen und mir auch den zweiten Rüssel mit zu geben. Das ist Balsam auf meine stark lädierte Handwerker und Mechaniker-Seele! Irgendwann kommen MP und ich auch vom Parkplatz runter, und nach einer kleinen Spritztour in die falsche Richtung, Sightseeing durch Kölns (mittlerweile geräumten) Strassenstrich und tanken am Nachtschalter lasse ich ihn bei seiner Freundin raus. Jetzt beginnt der wirklich harte Teil der fahrt: Alleine habe ich noch gute 450 km zu fahren. Und wie macht man das am Besten? Ich habe mich entschlossen, laut zu singen und möglichst schnell zu fahren. Das erhöht die Konzentration! Die Foo Fighters, Rosenstolz, die Bloodhound Gang, Rammstein zusammen mit T.A.T.U. sowie die Sportfreunde Stiller feiern dabei gelungene Auftritte in meinem Cockpit! Zeitweise kann ich die Geschwindigkeit nicht mehr richtig einschätzen und fahre z.B. mit 40 km/h einem LKW hinter her. Dann ein wohl einmaliges Bild: mein Tageskilometerzähler springt von 999,9 km auf 000,0 km um. Die Textstelle von Abschlach „Wir fahren 1000 Meilen für den HSV!“ bekommt jetzt einen greifbaren Sinn! Ich telefoniere Mal mit Groni, Mal mit Julie. Um 2:30h Nachts bewege ich scheinbar den einzigen PKW auf der A4 zwischen einigen LKWs. So müsste Autofahren immer sein. Langsam werde ich Müde und muss mich beeilen, wieder in Rützengrün anzukommen. Gegen 4:00h durchquere ich Zwickau viel zu schnell und Rammstein gibt mir noch mal den letzten Kick. Um 4:30h bin ich wieder bei Julie, die keine Lust mehr hat, sich meine Geschichten anzuhören. Das ist schon o.k. Morgen ist ja auch noch ein Tag! Nächste Woche kommt Mainz. Ich schlafe mit gutem Gefühl ein, weil ich glaube, dass einzig das Ergebnis der Truppe auftrieb geben wird. Noch 5 Punkte bis zum endgültigen Klassenerhalt. Man, was für eine Saison...